Zähneknirschen: Ursachen, Symptome, Folgen und Therapie

Wenn Stress, Druck und Ärger im Alltag Oberhand gewinnen, heißt es manchmal einfach nur noch: Zähne zusammenbeißen und durch. Die Anspannungen, Sorgen und Probleme des Tages nehmen Zähneknirscher dann oft mit ins Bett. In der Nacht pressen sie unbewusst weiterhin Ihre Zähne mit starkem Druck zusammen und wundern sich am nächsten Morgen über Schmerzen im Kopf, Kiefergelenk oder in den Zähnen.

Viele Menschen knirschen mit den Zähnen. Das ist weder gut fürs Gebiss und schon gar nicht gut für die gewünschte nächtliche Erholung. Auf Dauer leidet der schützende Zahnschmelz und im schlimmsten Fall kann sogar ein Zahnverlust drohen. Damit ist es aber noch nicht genug, denn Zähneknirschen kann noch weitere gesundheitliche Beschwerden verursachen, weshalb eine rechtzeitige Behandlung sehr zu empfehlen ist.

Hier erhältst Du alle wichtigen Informationen zum Thema Zähneknirschen, zu den Ursachen, Symptomen, Folgen und Therapiemöglichkeiten.

Was genau ist Zähneknirschen?

Der medizinische Fachbegriff für Zähneknirschen oder Zähnepressen lautet Bruxismus. Dabei handelt es sich um eine mechanische Fehlbelastung unserer Zähne durch unwillkürliche Bewegungen. Betroffene reiben, knirschen und pressen dabei die Zähne des Ober- und Unterkiefers druckvoll aufeinander.

Im Vergleich zu unserem normalen Kaudruck üben wir beim Zähneknirschen etwa den 10-fachen Druck auf die Zähne aus und das kann auf Dauer schwere Folgen nicht nur für die Zahngesundheit haben.

Zirkadianer Verlauf: Zähneknirschen am Tag oder in der Nacht

Passiert das unbewusste Zähneknirschen überwiegend in der Nacht, sprechen Mediziner*innen von Schlafbruxismus oder nächtlichem (nocturalem) Bruxismus, beim bewussten Zähnepressen am Tag von einem Wachbruxismus oder diuralem Bruxismus. Damit hat Zähneknirschen zwei unterschiedliche zirkadiane Manifestationen.

Häufiger geschieht das Zähneknirschen jedoch unbewusst und unbemerkt in der Nacht: Die Kaumuskeln spannen sich dann so an, dass der Unterkiefer zum Oberkiefer zieht. Es ist eine sich stets wiederholende Aktivität der Muskeln, die dazu führt, dass die Zähne aufeinanderpressen und reiben.

Laut Klassifikation für Schlafstörungen der American Academy of Sleep Medicine wird Schlafbruxismus deshalb auch als schlafassoziierte Bewegungsstörung angesehen.

Zähneknirschen wird in der Medizin außerdem auch als Überfunktion des Kausystems bezeichnet und durch die unkontrollierten und unbewussten Bewegungsmuster, die keinen Zweck erfüllen, als eine sogenannte „Parafunktion“ beschrieben.

Häufigkeit: Wer ist vom Zähneknirschen betroffen?

Bruxismus ist eine immer häufiger auftretende Funktionsstörung. Laut Bundeszahnärzte-Kammer knirscht mindestens jeder dritte Erwachsene in Deutschland mit den Zähnen oder presst die Kiefer zusammen. Am häufigsten tritt Bruxismus zwischen 30 und 45 Jahren auf. Nach einigen Studien sind Frauen häufiger betroffen als Männer, andere wiederum kommen zu einem gegenteiligen Ergebnis und einige Studien konnten keine Dominanz eines Geschlechts nachweisen.

Es gibt aber auch Babys und Kinder, die ebenfalls mit den Zähnen knirschen. Wenn die Milchzähne entstehen, gehört Zähneknirschen mit zur physiologischen Entwicklung dazu, weil die Kauflächen damit abgeschliffen werden und sich das Gebiss formen kann. Diese Phase wird auch als „Zähne einbeißen“ bezeichnet.

Bei älteren Kindern oder Jugendlichen hingegen könnten sich hinter der Überaktivität der Kaumuskeln andere Auslöser oder Ursachen verbergen, z.B. Stress in der Schule.

Zentrischer und exzentrischer Bruxismus

Darüber hinaus unterscheiden Zahnärzt*innen außerdem zwischen einem zentrischen und exzentrischen Bruxismus. Pressen Betroffene mit großer Krafteinwirkung die Zähne sehr strak aufeinander, handelt es sich um einen zentrischen Bruxismus. Bei der exzentrischen Form hingegen reiben die Knirscher die Zähne gegeneinander. Bei dieser Form treten auch akustische Knirschgeräusche in Erscheinung, die bezüglich der Lautstärke variieren können.

Das wichtige Zusammenspiel zwischen Kaumuskulatur und Kiefergelenk

Um zu verstehen, wie es zu den umfangreichen Beschwerden und Schmerzen im Rahmen von Zähneknirschen kommen kann, sollten wir das Zusammenspiel unserer Kaumuskulatur und des Kiefergelenks genauer unter die Lupe nehmen. Beides gehört zu dem sogenannten craniomandibulären System, das über das Nervensystem mit anderen Körperbereichen verbunden ist und in einer wechselseitigen Beziehung steht. Das craniomandibuläre System ermöglicht es uns, zu kauen, zu schlucken und zu sprechen.

Die funktionelle Einheit aus Kaumuskulatur und Kiefergelenk besteht aus vier Skelettmuskeln, die das Kauen ermöglichen, indem sie den Kiefer öffnen und wieder schließen:

  • Kaumuskel (Musculus masseter): Kieferschließer
  • Schläfenmuskel (Musculus temporalis): Kieferschließer und Zurückziehen des Unterkiefers
  • Musculus pterygoidei medialis: Kieferöffner und Vorschieben des Kiefers
  • Musculus pterygoidei laterali: Kieferöffner und Mahlbewegungen nach links und rechts

Werden das Kiefergelenk und die Kaumuskulatur über längere Zeit oder dauerhaft beansprucht, entstehen Überspannungen in der gesamten Muskulatur des Gesichts und des Kiefers, die wiederum heftige Schmerzen hervorrufen können. Um die Schmerzen zu vermeiden, werden wir in der Folge eher weiche Nahrung aufnehmen, wodurch die Kaubewegung abflacht, die Kaumuskeln nach und nach verkürzen und die Beißkraft nachlässt. Dadurch verspannen sich die Muskeln und wir pressen die Zähne aufeinander.

Zähneknirschen: Ursachen und Auslöser

Je nach Ursache unterscheiden Zahnmediziner*innen drei Formen von Bruxismus:

  • Primärer Bruxismus: bei dieser Form liegen keine klaren Ursachen vor. Eine andere Bezeichnung dafür ist auch idiopathischer Bruxismus.
  • Sekundärer Bruxismus: bei der sekundären Form sind verschiedene Störungen, Auslöser und Erkrankungen ursächlich für das Zähneknirschen.
  • Iatrogener Bruxismus: die Ursache für das iatrogene Zähneknirschen sind Medikamente.


Mögliche Auslöser, Risikofaktoren und Ursachen von Zähneknirschen im Überblick:

  • Seelische Belastungen und Stress
  • Anatomische Fehlstellungen des Gebisses
  • Zahnärztliche Behandlungen: Füllungen, Kronen und Inlays
  • Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)
  • Genetische Faktoren
  • Verschiedene Erkrankungen
  • Schlafstörungen
  • Medikamente
  • Ungesunde Lebensweise: Alkohol, Nikotin und Drogen

Seelische Belastungen und Stress

In ca. 90 Prozent der Fälle sind emotionaler Stress und seelische Belastungen für das nächtliche Zähneknirschen verantwortlich. Häufig betroffen sollen Menschen sein, die Emotionen wie Ängste oder Ärger unterdrücken und sich die Gefühle auch nicht anmerken lassen wollen. Im Schlaf verarbeiten sie dann die seelischen Probleme und Alltagssorgen und lösen damit das unbewusste Zähneknirschen aus.

In medizinischen Fachkreisen wird dann von pathologischen Angst- und Unterdrückungsmechanismen gesprochen.

Studien konnten bei Kindern und Erwachsenen einen Zusammenhang zwischen psychischen Problemen wie Angststörungen und Zähneknirschen herstellen. Auch bei psychosozialen Störungen ist das Risiko für Bruxismus erhöht. Bei Erwachsenen spielen wahrscheinlich auch Depressionen eine Rolle.

Bei Kinder stehen dysfunktionale Familienkonstellationen, geschiedene Eltern, berufstätige Mütter, Licht und Geräusche im Schlafzimmer als Stressoren im Vordergrund, die möglicherweise nächtliches Zähneknirschen hervorrufen können.

Anatomische Fehlstellungen des Gebisses, Füllungen, Kronen oder Inlays

Zahnfehlstellungen, schiefe Zähne, ein schlecht sitzender Zahnersatz sind alles Faktoren, die als Ursache für Zähneknirschen infrage kommen. Auch wenn der Zusammenbiss zwischen Ober- und Unterkiefer gestört ist, können die Kiefer knacken und die Zähen knirschen.

Manchmal sind auch herauswachsende Zähne oder ein Zahnverlust mögliche Ursachen für Bruxismus. Nach einer zahnärztlichen Behandlung kann es außerdem passieren, dass nicht passende Kronen, eine neue Brücke oder eine neue Zahnfüllung die Auslöser sind. Der Körper versucht dann ganz automatisch, die Störungen mit Knirschen zu beseitigen.

Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

Eine craniomandibuläre Dysfunktion, kurz CMD, ist ein Sammelbegriff für Fehlfunktionen und Fehlstellungen unserer Kaumuskulatur und des Kiefergelenks. Die CMD ist eine der häufigsten Ursachen für Schmerzen im Gesicht, am Kopf und im Mund sowie für Mundöffnungsstörungen.

Zumindest sind laut Studien etwa 20 bis 30 Prozent der Patienten mit Bruxismus von den Beschwerden durch eine CMD betroffen. Verantwortlich für die Fehlfunktionen können ebenfalls psychische Belastungen sein. In der Folge kann es auch zu gesundheitlichen Problemen im gesamten Bewegungsapparat kommen.

Genetische Faktoren

Bestimmte angeborene Erkrankungen können mögliche Ursachen sowohl für das nächtliche Knirschen als auch für den Bruxismus am Tage sein. Es konnte ein spezifischer Gendefekt ausgemacht werden, der das Risiko für Zähneknirschen erhöht.

Es werden auch epigenetische Faktoren für Bruxismus in Betracht gezogen. Die Epigenetik beschäftigt sich damit, welche Faktoren die Aktivität unserer Gene beeinflussen und damit die Entwicklung unserer Zellen festlegen. Mit dem Zähneknirschen nachts und tagsüber werden folgende Syndrome oder Krankheiten in Zusammenhang zusammengebracht:

  • Rett-Syndrom (frühkindliche, progressive Enzephalopathie): seltene neurologische Entwicklungsstörung mit krankhaften Veränderungen im Gehirn, die nur bei Mädchen auftritt.
  • Prader-Willi-Syndrom (PWS): seltener angeborener Gendefekt des Chromosoms 15.
  • Angelman-Syndrom (AS): wie PWS auch eine seltene angeborene genetische Veränderung des Chromosom 15 mit einer starken Verzögerung der körperlichen und geistigen Entwicklung.
  • Chorea Huntington (Veitstanz): erbliche Erkrankung des Gehirns mit unwillkürlichen, unkoordinierten Bewegungen bei schlaffem Muskeltonus.

Verschiedene Erkrankungen

Es gibt viele Erkrankungen, die mit dem Symptom Zähneknirschen einhergehen können. Dazu gehören:

  • Reflux-Krankheit (Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre)
  • Ischämien (verminderte oder aufgehobene Durchblutung)
  • Hirnblutungen
  • Nächtliche Epilepsie (Krampfleiden)
  • Morbus Parkinson
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Alkoholismus, Alkoholvergiftung
  • (Alkoholisches) Korsakow-Syndrom (amnestisches Syndrom)
  • Wernicke-Enzephalopathie (Erkrankung des zentralen Nervensystems)

Schlafstörungen

Bei Erwachsenen und Kindern tritt nächtliches Zähneknirschen häufig im Zusammenhang mit verschiedenen Schlafstörungen auf. Bei Kindern stehen dabei Albträume, Schlafapnoe, Schlaflosigkeit und Schnarchen im Vordergrund, die nachts das Knirschen hervorrufen.

Auch Atmungsstörungen aufgrund einer behinderten Nasenatmung durch Polypen, vergrößerten Mandeln oder einen zu schmalen und kurzen Kiefer zählen zu weiteren möglichen Ursachen für Bruxismus bei Kindern.

Bei dem Schlafapnoe-Syndrom sorgen nächtliche Atemaussetzer für Schlafunterbrechungen. Die schafbezogene Atmungsstörung (SBAS) geht häufig mit Bruxismus einher. Das nächtliche Zähneknirschen tritt im Zusammenhang mit dem Schlafapnoe-Syndrom jedoch nicht regelmäßig auf.

Schlafstörungen, die mit Bruxismus einhergehen können, sind:

  • Insomnie (Ein- oder Durchschlafstörungen)
  • Schlafapnoe (schlafbezogenen Atmungsstörung)
  • Narkolepsie
  • Restless-Legs-Syndrom (unruhige Beine)
  • Albträume, behinderte Nasenatmung (Kinder)
  • Schnarchen

Medikamente

Es gibt verschiedene Medikamente, die Zähneknirschen auslösen können. Dazu gehören z.B. dopaminhaltige Arzneien, Antidepressiva wie trizyklische Antidepressiva oder Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Antipsychotika und Antihistaminika. Da nicht jeder Patient gleich auf Medikamente reagiert, tritt Bruxismus als Nebenwirkung auch nicht bei jedem Patienten auf.

Ungesunde Lebensweise: Alkohol, Nikotin und Drogen

Auch eine ungesunde Lebensweise mit einem übermäßigen Konsum von Alkohol, Koffein, Nikotin und anderen Drogen kann Zähneknirschen begünstigen.

In Studien konnte ein Zusammenhang zwischen Rauchen und Bruxismus hergestellt werden, weil Nikotin zentrale dopamingesteuerte Aktivitäten stimuliert. Der Neurotransmitter Dopamin steuert u.a. unsere allgemeine Motorik und damit sämtliche Bewegungen. Auch Passivrauchen führt zu einem erhöhten Risiko für Zähneknirschen, z.B. bei Kindern.

Ein starker Alkohol- oder Koffeinkonsum führt bei einigen Menschen ebenfalls zum nächtlichen Knirschen und gleiches gilt für Drogen wie Ecstasy (MDMA), Kokain oder Ersatzdrogen wie Methadon.

Zähneknirschen: Symptome

Knirschen wir nachts mit den Zähnen, pressen wir unbewusst die Zähne von Ober- und Unterkiefer mit einem straken Druck (480 kg/cm2) aufeinander oder führen mahlende, kauähnliche Bewegungen durch. Es ist etwa das Zehnfache des Drucks, den wir beim normalen Kauen auslösen. Diese einwirkenden Kräfte können auf Dauer zu Beschwerden führen.

Die Liste der Symptome, die durch Zähneknirschen hervorgerufen werden können, ist sehr lang. Als erstes Anzeichen wirst Du wahrscheinlich morgendliche Schmerzen im Kiefergelenk, Verspannungen in den Kaumuskeln sowie Kopfschmerzen bemerken. Die Schmerzen können sich aber auch auf andere Bereiche Deines Körpers ausweiten.

Wiederkehrende Kopfschmerzen in der Schläfe nach dem Aufwachen sind ein hinweisendes Indiz für Bruxismus, weil ein Kaumuskel im Schläfenbereich befestigt ist, der nachts beim Zähneknirschen auf Hochtouren läuft.

Folgende Symptome können mit Bruxismus einhergehen:

  • Morgendliche Schmerzen im Kiefergelenk
  • Morgendliche Verspannungen und Schmerzen in der Kaumuskulatur
  • Allgemeine Kopfschmerzen, schmerzende Schläfen
  • Unbewusstes Beißen auf Wangen und Zunge
  • Unkontrollierte Bewegungen des Kiefers
  • Knackgeräusche des Kiefergelenks
  • Druckgefühl am Ober- und Unterkiefer
  • Zahnabrieb (Zahnabrasion)
  • Zahnschmerzen, allgemeine Zahnschäden
  • Lockere Zähne, Zahnverlust
  • Karies
  • Eingeschränkte Mundöffnung
  • Gesichtsschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Rückenschmerzen
  • Verspannungen im Nacken und in den Schultern
  • Ohrenschmerzen, Tinnitus
  • Schwindel, Gleichgewichtsstörungen

Zähneknirschen: Folgen

Dauerhaftes Zähneknirschen kann fatale Folgen für die Gesundheit der Zähne und für Dein Wohlbefinden haben. Das Risiko für Langzeitschäden ist beim Schlafbruxismus deutlich höher als beim Wachbruxismus.

Die enorme Belastung auf die Zähne und auf das Kiefergelenk, das Pressen und Reiben der Zähne führen langfristig zu einem Abrieb des Zahnschmelzes und zu Rissen im Zahnschmelz. Dadurch werden dann irgendwann auch das Zahnbein (Dentin) und die Nervenbahnen freigelegt.

Die Folgen sind zunächst schmerzempfindliche, poröse Zähne. Je länger das Zähneknirschen unbehandelt bestehen bleibt, desto gravierender werden die Folgeschäden an den Zähnen ausfallen. Im schlimmsten Fall droht ein Zahnverlust.

Als Folge vom dauerhaften Zähneknirschen können außerdem zahnärztliche Behandlungen wie eingesetzte Kronen, Brücken, Inlays oder andere Restaurationen im Mund-Kiefer-Bereich zerstört werden.

Unschön wird es zudem, wenn sich die Beschwerden auf andere Bereiche des Körpers ausweiten. Zähneknirschen sorgt für eine zusätzliche Belastung im Kiefergelenk. Dadurch können muskuläre Verspannungen und Schmerzen im Bereich von Rücken, Nacken und Schultern auftreten.

Auch Kopfschmerzen und Migräne sind häufige Begleitsymptome. In selteneren Fällen können möglicherweise auch lästige Ohrgeräusche (Tinnitus) auftreten.

Zähneknirschen: Diagnose

Nachts findet Zähneknirschen unbewusst statt. Betroffene bemerken die Aktivität nicht und wundern sich am nächsten Morgen, wenn sie mit Kopfschmerzen oder Kieferschmerzen aufwachen.

Gehst Du regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung zum Zahnarzt, wird er schnell eine übermäßige Abnutzung der Zähne feststellen, wenn Du zu den Zähneknirschern gehörst. Oft weisen aber auch entnervte Partner*innen zuerst auf das nächtliche Knirschen hin.

Anhand eines Stufensystems werden für die Diagnose Schlaf- oder Wachbruxismus die Kategorien „möglich“, „wahrscheinlich“ und „definitiv“ abgeklärt:

  • Möglicher Bruxismus: Basiert auf Selbstangabe in standardisierten Fragebögen sowie in der Anamnese (Arzt-Patienten-Gespräch).
  • Wahrscheinlicher Bruxismus: Anamnese und Fragebögen werden ergänzt durch eine zahnärztliche Untersuchung auf Zahnsubstanzdefekte.
  • Definitiver Bruxismus: Diagnose wird durch eine Polysomnographie (PSG) mit Audio- und Videoaufzeichnungen gestellt.

Anamnese und standardisierte Fragebögen

Zunächst wird im Rahmen der zahnärztlichen Untersuchung ein Gespräch (Anamnese) geführt und anhand eines standardisierten Fragebogens mögliche Ursachen und Symptome abgeklopft. Dazu gehören z.B. folgende Hinweise:

  • Schmerzen in den Kiefergelenken
  • Schmerzen und Verspannungen in der Kaumuskulatur
  • Druckempfindliche Kaumuskulatur
  • Kopfschmerzen nach dem Aufwachen im Schläfenbereich
  • Zahnabdrücke in Zunge und Wange
  • Glatt polierte Zahnflächen
  • Risse am Zahnschmelz
  • Sehr schmerzempfindliche Zähne
  • Schlechte Schlafqualität

Für die Diagnose müssen auch andere denkbare Gründe für sichtbare Zahnschäden aufgespürt werden. So können z.B. auch eine regelmäßige Säureeinwirkung auf die Zähne durch aufsteigendem Reflux von Magensäure oder aufgrund von säurehaltigen Getränken und Speisen infrage kommen.

Liegen bestimmte Anhaltspunkte auf andere mögliche Ursachen vor, sollten für die Diagnose manchmal auch HNO-Ärzt*innen, Orthopäd*innen und Neurolog*innen konsultiert werden.

Zahnärztliche Untersuchung

Konnte anhand der Anamnese und des Fragebogens bereits ein möglicher Bruxismus diagnostiziert werden, folgen nun eine Untersuchung der Zähne sowie ein Abtasten der Muskulatur rund um den Kiefer. Der Zahnarzt oder die Zahnärztin achtet auf folgende klinische Zeichen:

  • Kariöser Zahnsubstanzverlust
  • Verlust von Restaurationsmaterialien
  • Bissspuren an der Zunge oder an den Wangen
  • Weißliche Verhornung der Wangenschleimhaut (Planum buccale)
  • Entzündungsfreier Zahnfleischrückgang oder Zahnfleischschwund (Gingivarezessionen)
  • Stark ausgeprägte Kaumuskeln
  • Regelmäßiges technisches Versagen von Füllungen, Kronen, Inlays, Brücken
  • Eingeschränkte Kieferöffnung

Polysomnographie (PSG)

Mithilfe einer Polysomnographie, kurz PSG, kann ein Bruxismus definitiv diagnostiziert und bestätigt werden. Es handelt sich dabei um ein umfangreiches Verfahren, das zur Messung der physiologischen Funktionen im Schlaf während der ganzen Nacht angewendet wird.

Die Polysomnographie ist mit hohen Kosten verbunden und wird zur Beurteilung eines definitiven Schlafbruxismus eingesetzt. Beim definitiven Wachbruxismus hingegen reichen meistens die Selbstangabe in Fragebögen und die klinische Untersuchung.

Zähneknirschen: Prognose

Hat Dein Zahnarzt die Diagnose Bruxismus gestellt, gibt es zum Glück viele Möglichkeiten für eine Therapie. Daher ist die Prognose bei Zähneknirschen auch gut. Je früher Zahnschäden, Schmerzen und alle anderen Begleitsymptome behandelt werden, desto besser ist die Prognose. Hast Du den Verdacht, ein Zähneknirscher zu sein, solltest Du also schnellstmöglich handeln. Manchmal reichen schon einfache Tipps für den Alltag, um das Problem wieder in den Griff zu bekommen.

Zähneknirschen: Therapie

Die Ursache beim primären Bruxismus kann nicht behandelt werden, weil bei dieser Form keine Gründe gefunden werden. Hier richtet sich das Augenmerk der Behandlung auf Aufklärung, Beratung und Selbstbeobachtung. Das bedeutet, dass Patienten im Alltag vermehrt darauf achten müssen, ob sie gerade unbewusst mit den Zähnen knirschen oder die Kiefer zusammenpressen.

Beim sekundären oder iatrogenen Bruxismus hingegen sind die Ursachen und Auslöser bekannt und dafür stehen Dir verschiedene Pfeiler der Therapie zur Verfügung:

In den meisten Fällen wird bei Zähneknirschen ein interdisziplinäres (fachübergreifendes) Behandlungskonzept aus den oben aufgelisteten Therapien erstellt.

Hilfsmittel: Aufbissschiene

Eine wichtige therapeutische Maßnahme bei Zähneknirschen ist das Tragen einer sogenannten speziellen Aufbissschiene (Okklusionsschiene). Dabei handelt es sich um eine von Deinem Zahnarzt individuell an Dein Gebiss angepasste Entlastungsschiene aus durchsichtigem Kunststoff. Sie wird nachts getragen und soll den Zahnschmelz vor Abrieb und vor weiteren Schäden schützen sowie die Kaumuskulatur und das Kiefergelenk entlasten. Auch die morgendlichen Kopfschmerzen wirst Du beim regelmäßigen Tragen der Aufbissschiene los.

Eine Aufbissschiene kann entweder für den Unterkiefer oder für den Oberkiefer eingesetzt werden. Sie sind zu jeder Zeit herausnehmbar und bedecken Deine Zähne ganz oder nur zum Teil. Es wird zwischen zwei unterschiedlichen Formen der Aufbissschiene unterschieden:

Adjustierte Aufbissschiene: Die Zahnreihen werden so fixiert, dass Knirsch-Bewegungen verhindert werden. Eine zusätzliche leichte Vergrößerung zwischen den Zahnreihen soll die Muskeln etwas dehnen und damit die Anspannung der Kaumuskulatur reduzieren.

Nicht adjustierte Aufbissschiene: Bei dieser Schiene sind kleine Bewegungen möglich. Beim regelmäßigen Tragen werden ebenfalls die Kaumuskeln gedehnt und die verspannte Muskulatur gelöst.

Diese Schienen lindern jedoch nur die Beschwerden, indem sie das Zähneknirschen hemmen. Die Ursachen werden damit nicht behoben und nach Absetzen des Hilfsmittels werden sich die Probleme in den meisten Fällen wieder verstärken.

Medikamente: Muskelrelaxantien und Botox

Beim Zähneknirschen werden bei einer medikamentösen Behandlung hauptsächlich muskelentspannende Medikamente, die sogenannten Muskelrelaxantien, eingesetzt. Sie sollen die Verspannungen in den Kaumuskeln lösen. Die muskelentspannenden Arzneien entfalten bei akuten Verspannungen schnell eine positive Wirkung.

Sie sollten dennoch nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, weil sie teilweise mit starken Nebenwirkungen einhergehen. Daher werden Muskelrelaxantien nur für eine Kurzzeittherapie empfohlen.

Ein weiteres Medikament, das bei Bruxismus angewendet wird, ist Botulinumtoxin (BTX) auch besser bekannt unter der einfachen Bezeichnung Botox. Es ist ein Nervengift, das die Kommunikation zwischen Nerven und Muskeln für eine gewisse Zeit lahmlegt, wodurch die Muskeln im Kiefer entspannen. Das Gift wird per Injektion in den betroffenen Bereich gespritzt und die Wirkung hält bis zu einem halben Jahr an.

Physiotherapie: Übungen, Massagen und Wärme

Auch eine Physiotherapie kann sich bei Bruxismus als sehr hilfreich erweisen. Übungen, Massagen und Wärmeanwendungen sorgen dafür, dass sich die verspannten Muskeln wieder entspannen und die Schmerzen verschwinden. Die Durchblutung im Gewebe wird durch die Übungen angeregt und koordinierte Bewegungen des Kiefers trainiert.

Physiotherapeut*innen werden Dich auch mit Tipps für den Alltag versorgen, damit Du mit gezielten Übungen auch zu Hause die Verspannungen lockern kannst. Denn eine wichtige Rolle spielen möglicherweise auch Fehlhaltungen am Arbeitsplatz, denn über die Halswirbelsäule und Kopfhaltung kann auch die Kaumuskulatur (negativ) beeinflusst werden.

Entspannungsmethoden: Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung

Einen Grundbaustein in der Behandlung von Bruxismus bilden verschiedene Entspannungsmethoden, um Stress abzubauen. Als besonders hilfreich haben sich Entspannungstechniken wie das Autogene Training oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson erwiesen. Aber auch Achtsamkeitstraining, Meditation, Tai Chi oder Yoga sind entspannende Maßnahmen, die für mehr Ruhe und Gelassenheit im Alltag sorgen können.

Entspannungsübungen sollten regelmäßig durchgeführt werden, daher ist es ein großer Vorteil, dass Du sie gut zu Hause trainieren kannst. Ein professioneller Einführungskurs zum Erlernen der Methode sollte aber gerade zu Beginn wahrgenommen werden.

Private und gesetzliche Krankenkassen bieten eine große Auswahl an Kursen für das Erlernen von Stressbewältigung und Entspannungsverfahren an und beteiligen sich oft an den Kosten. Es ist ratsam, sich im Vorfeld bei der eigenen Krankenkasse zu erkundigen, wie die Konditionen aussehen.

Bio-Feedback-Therapie

Auch die sogenannte Bio-Feedback-Therapie könnte bei Zähneknirschen helfen. Bei dem Verfahren lernst Du mithilfe elektronischer Geräte unbewusste körperliche Prozesse bewusst wahrzunehmen, um sie dann willentlich kontrollieren zu können.

Über einen Sensor, der am Kaumuskel befestigt ist, gibt Dir das tragbare Gerät per Signalton Rückmeldung, wenn Du mit den Zähnen knirschst. So erkennst Du, wenn Du die Kiefermuskulatur anspannst und kannst darauf reagieren, indem Du die Muskeln bewusst wieder entspannst.

In der Wissenschaft wird die Wirkung kontrovers diskutiert. So lässt sich die Bio-Feedback-Methode nicht beim Schlafbruxismus in der Nacht anwenden, weil die ertönenden Signale permanent den Schlaf unterbrechen. Auch zeigen Untersuchungen, dass das Knirschen wieder verstärkt auftritt, wenn das tragbare Gerät weggelassen wird.

Psychotherapie

Häufig besteht ein Zusammenhang zwischen Stress, seelischen Problemen und Zähneknirschen. Liegen dem Stress also tiefersitzende psychische Probleme zugrunde, könnte möglicherweise eine psychotherapeutische Behandlung in Form einer Verhaltenstherapie helfen.

Die Verhaltenstherapie soll bestimmte Verhaltensweise aufdecken, die den Stress verursachen. Es geht darum, das eigene Verhalten, Gewohnheiten und Situationen wahrzunehmen und die Einstellung dazu möglichst so zu verändern, dass die Stress auslösenden Faktoren in Zukunft keine Überforderung mit sich bringen.

Zahnrestaurationen

Liegen die Ursachen für das Zähneknirschen in einer schlecht angepassten, zu großen Krone oder Füllung, kann der Zahnarzt die betroffenen Stellen abschleifen und damit den Störfaktor beseitigen. Bestehen sehr ausgeprägte Defekte an den Zähnen oder ist die Zahnsubstanz stark angegriffen bzw. schon verloren gegangen, können auch umfangreichere Restaurationsarbeiten nötig werden.

Zähneknirschen: Tipps für den Alltag und zur Prophylaxe

Du kannst im Alltag auch selbst etwas gegen Zähneknirschen tun, um eine Behandlung zu unterstützen oder die Beschwerden zu lindern. Oft reichen Maßnahmen, die etwas Ruhe und Entspannung in den stressigen Alltag bringen.

Dafür genügt es manchmal, über den Tag gezielt Pausen einzuplanen. Die Zeit könntest Du dann für einen kleinen Spaziergang an der frischen Luft nutzen oder für eine kleine Trainingseinheit Deiner liebsten Entspannungsmethode. Ein warmes Entspannungsbad nach einem anstrengenden Tag kann auch Wunder bewirken und für einen erholsamen Schlaf ohne nächtliches Zähneknirschen sorgen.

Tagsüber helfen auch kleine Erinnerungsmemos, die Du an den Arbeitsrechner kleben könntest. Immer wenn Du den Blick darauf richtest, überprüfst Du den Zustand des Kiefers und der Kaumuskeln. Sind die Muskeln angespannt, löst Du die Anspannung, indem Du einen Abstand zwischen Deinen oberen und unteren Zähnen von zwei bis drei Millimetern herstellst.

Zähneknirschen: 2 schnelle Übungen für den Alltag

Mit den folgenden zwei Übungen kannst Du das Kiefergelenk dehnen und die Muskulatur entspannen:

Übung gegen Zähneknirschen:

  1. Öffne den Mund so weit es geht. Das mag etwas ziehen, denn Deine Kaumuskulatur ist diese Dehnung nicht gewohnt. 
  2. Lege nun eine Hand ans Kinn und ziehe das Kinn etwas weiter Richtung Hals. Es ist wichtig, dass Du es dabei nicht übertreibst. Gehe nicht über Deinen Wohlfühlschmerz hinaus. 
  3. Für eine intensivere Dehnung kannst Du dazu Deinen Kopf festhalten indem Du Deine andere Hand gegen die Stirn drückst.
  4. Halte die Dehnung für 2 Minuten und schließe dann den Mund, um die Muskulatur zu entspannen.

Selbstmassage für das Kiefergelenk:

  1. Führe mit beiden Händen bzw. Fingern eine Selbstmassage am Kiefer durch, um die Muskulatur zu entspannen.
  2. Führe leicht kreisende Bewegungen an den verspannten Kiefermuskeln durch und arbeite Dich langsam zum Kinn vor.
  3. An schmerzhaften Stellen kannst Du den Druck etwas erhöhen.