Zu viel Schlaf: Ursachen, gesundheitliche Folgen und Behandlung

Stimmt es denn? Je mehr wir schlafen, desto besser ist es für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden? Eine wissenschaftliche Studie aus Kanada hat sich diesem Thema gewidmet und kam zu dem Schluss, dass sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf schädlich für unsere Gesundheit ist. Wer regelmäßig zu wenig schläft, wird unkonzentriert, gereizt, übellaunig und langsam im Denken. Ähnlich verhält es sich aber auch bei Langschläfern, die irgendwann einfach nicht mehr erholt aufwachen. Sie sind ebenso müde, schwach und energielos wie Menschen mit chronischem Schlafmangel.

Was sind die gesundheitlichen Folgen, wenn wir ständig zu viel und zu lange Schlummern? Wie viel Schlaf ist zu viel und wie erkennen wir unser individuelles Schlafbedürfnis? Welche Ursachen führen dazu, dass wir zu viel schlafen und was lässt sich dagegen tun?

Wie viel Schlaf brauchen wir?

Das Statistische Bundesamt hat herausgefunden, dass erwachsene Menschen im Schnitt 8,48 Stunden am Tag bzw. in der Nacht im Bett liegen und schlafen. Es handelt sich aber nur um einen Durchschnittswert, denn unser Schlafbedürfnis ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Was für den einen zu viel ist, kann für den anderen zu wenig sein. Babys benötigen 18 Stunden Schlaf pro Tag, Kinder im Vorschulalter mindestens 10 Stunden pro Tag. Mit zunehmendem Alter liegt das Schlafbedürfnis von Erwachsenen zwischen sechs und zehn Stunden täglich.

Kurz- und Langschläfer

Etwa 12 Prozent der Bevölkerung zählen zu den Kurzschläfern. Sie schlafen regelmäßig weniger als sechs Stunden und fühlen sich am nächsten Morgen ausgeschlafen, erholt und fit. Langschläfer hingegen schlafen regelmäßig über 10 Stunden, um sich am nächsten Tag erholt, konzentriert und leistungsstark zu fühlen. In diese Kategorie gehören ca. 15 Prozent der Bevölkerung.

In der Nacht durchlaufen wir mehrere Schlafzyklen, die aus jeweils vier Schlafphasen bestehen:

  • Einschlafphase (Non-REM-Schlaf)
  • Leichtschlafphase (Non-REM-Schlaf)
  • Tiefschlafphase (Non-REM-Schlaf)
  • Traumschlafphase (REM-Schlaf)

Die Kurzschläfer unter uns benötigen nur wenige kürzere Schlafzyklen, um sich zu regenerieren und am nächsten Tag fit zu sein. Das liegt daran, dass sie effizienter schlafen. Die ersten beiden Schlafzyklen sind die wichtigsten Episoden des Schlafs. Sie machen den größten Teil der Erholung und Verarbeitung von Informationen und Geschehnissen aus. Kurzschläfer nutzen diese Zyklen besser aus als Durchschnitts- und Langschläfer. Letztere schaffen in diesen Schlafzyklen weniger Tiefschlaf und benötigen daher mehr Schlafzyklen, um qualitativ hochwertigen Schlaf zu bekommen.

Wie erkennst Du Dein persönliches Schlafbedürfnis?

Letztendlich bemisst sich unsere ideale Schlafdauer mit der Zeit, die wir regelmäßig schlafen müssen, damit wir uns tagsüber erholt und munter fühlen. Schlafforscher glauben, dass unsere individuelle Schlafdauer teilweise in den Genen zu finden ist und dass auch die Entwicklung unseres Gehirns einen Einfluss darauf hat, zumindest bis wir erwachsene Menschen sind. Das Alter spielt also auch eine wichtige Rolle für unser persönliches Schlafbedürfnis.

Es ist manchmal gar nicht so einfach, sein persönliches Schlafbedürfnis zu bestimmen. Durch privaten und beruflichen Stress, Wecker klingeln am frühen Morgen und durch zu viele Termine können wir in unserem Leben nicht mehr natürlich einschlafen und aufwachen. Wie kannst Du aber herausfinden, welchen Schlaftyp Du verkörperst?

Um Dein Schlafbedürfnis herauszufinden, benötigst Du etwas Zeit, denn erst nach ein paar Tagen pendelt sich die Schlafdauer ein. Der nächste Urlaub würde sich dafür beispielsweise gut eignen.

In der Zeit des Experimentierens solltest Du darauf achten, optimale Bedingungen zum Einschlafen zu schaffen. Schwere Mahlzeiten und Alkohol am Abend wären nicht gesund und kontraproduktiv ebenso wie eine zu helle, zu laute und warme Schlafumgebung. Für ein paar Tage solltest Du auf folgende drei Schritte achten:

  1. Gehe ins Bett, wenn Du schläfrig bist. Im Idealfall sollte das immer zur ähnlichen Zeit passieren.
  2. Schlafe so lange, bis Du auf natürlichem Weg wieder wach wirst.
  3. Achte darauf, wie Du Dich am Morgen fühlst. Bist Du wach, fit und energiegeladen, dann hast Du ausreichend Schlaf bekommen.

Nach einigen Tagen wirst Du eine gewisse Schlafroutine bemerken, aus der Du dann auch Deine persönliche Schlafdauer ermitteln kannst. Mit der Erkenntnis könntest Du dann in Zukunft feststellen, ob Du zu viel oder zu wenig Schlaf bekommst.

Wie Jahreszeiten und Hormone unser Schlafbedürfnis beeinflussen

Die dunklen Wintermonate beeinflussen auch unseren Schlaf-Wach-Rhythmus und damit unser Schlafbedürfnis. Was im Sommer möglicherweise ein zu viel an Schlaf gewesen wäre, könnte sich im Winter als optimale Schlafdauer entpuppen.

Mit dem Einsetzen der Dämmerung beginnt unser Körper mit einer vermehrten Ausschüttung unseres Schlafhormons Melatonin und wir werden dadurch schön müde. Im Herbst und Winter wird es abends immer früher dunkel. Wir werden früher schläfrig.

Mehr Dunkelheit, mehr Kleidung sowie der flachere Winkel der Sonne im Herbst und Winter bedeutet außerdem weniger UV-B-Strahlung, die für die Bildung von Vitamin D in unserer Haut nötig ist. Ein Mangel an Vitamin D kann uns ebenfalls müde und schlapp machen.

Neben unserem Lebensalter und den Genen sollte also auch immer die kalte Jahreszeit als Faktor berücksichtigt werden, wenn es um unser persönliches Schlafbedürfnis geht.

Zu viel Schlaf: Ursachen

Dass wir viel schlafen resultiert nicht immer nur aus einem vorherigen akuten Schlafmangel, sondern kann viele verschiedene Ursachen haben und/oder möglicherweise ein Hinweis darauf sein, dass etwas nicht stimmt.

Hinter zu viel Schlaf können sich z. B. chronische körperliche und psychische Erkrankungen, bestimmte Medikamente und andere Faktoren wie Alkohol, Koffein oder ungesunde Ernährungsgewohnheiten verbergen. Auch eine Schlafstörung wie die Narkolepsie (Schlafsucht) oder Schlafapnoe sowie die neuro-immunologische Multisystemerkrankung CFS (Chronisches Fatigue-Syndrom) könnten als Ursache infrage kommen, wenn wir regelmäßig zu lange schlafen, uns aber trotzdem immer zu schlapp, erschöpft und müde fühlen.

Körperliche Erkrankungen

Akute und chronische Krankheiten können uns sehr erschöpfen und ein größeres Schlafbedürfnis hervorrufen. Folgende körperliche Erkrankungen gehen mit einer starken Müdigkeit einher:

Akute Infektionen

Wird unser Körper von Krankheitserregern wie z. B. Viren oder Bakterien angegriffen, benötigt unser Organismus mehr Schlaf und Erholung, um sich auf den Kampf gegen die Eindringlinge zu konzentrieren und die Kraft dort einzusetzen, wo sie gerade benötigt wird. Bei einer durch Viren hervorgerufenen Grippe oder bei grippalen Infekten fühlen wir uns müde, schlapp und leiden unter Erschöpfung. Wir möchten einfach nur im Bett liegen und schlafen, damit unser Körper sich kurieren und regenerieren kann.

Nach einer durchgemachten Infektion kann bei etwa 40 Prozent der Betroffenen noch bis zu sechs Monate eine anhaltende Schläfrigkeit, Abgeschlagenheit und Antriebsschwäche bestehen, obwohl sie in letzter Zeit eher zu viel als zu wenig Schlaf hatten. Es handelt sich dann um eine post-infektiöse Müdigkeit.

Chronisches Fatigue Syndrom (CFS)

Das chronische Fatigue Syndrom (CFS), auch als Myalgische Enzephalomyelitis (ME) bezeichnet, ist eine Entzündung des Gehirns und Rückenmarks mit Muskelbeteiligung. Es handelt sich dabei um eine neuro-immunologische Multisystemerkrankung, bei der unser Immunsystem, das autonome Nervensystem und der Energiestoffwechsel gestört sind.

Das Leitsymptom der Erkrankung ist eine exzessive Müdigkeit und Erschöpfung, die als äußerst belastend von CFS-Patienten empfunden wird. Hinzukommen noch eine Vielzahl an weiteren neurologischen, endokrinen und immunologischen Symptomen, die u. a. keine Aktivitäten mehr zulassen und zu einem sozialen Rückzug führen können.

Multiple Sklerose

Im frühen Krankheitsverlauf der neuro-immunologischen und entzündlichen Erkrankung Multiple Sklerose (MS) können noch vor einer Gangunsicherheit belastende Symptome wie eine abnorme Erschöpfbarkeit und ein erhöhtes Schlafbedürfnis bestehen. Zwischen 60 und 90 Prozent der MS-Patienten sind davon betroffen. Im weiteren Verlauf ist die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit stark herabgesetzt, wodurch Betroffene nur noch schwer ihren Alltag bewältigen können. Die Ursachen für die ausgeprägte Fatigue im Rahmen der MS sind noch ungeklärt.

Tumor-assoziierte Fatigue

Krebserkrankungen und auch die Behandlung gehen häufig mit einer Müdigkeit, einem Schwächegefühl und mangelnder Energie einher. Mediziner und Onkologen sprechen dann von einer Tumor-assoziierten Fatigue. Das erhöhte Schlafbedürfnis kann zu jedem Zeitpunkt der Erkrankung auftreten: als Frühsymptom, während oder nach einer Therapie (Chemotherapie oder Bestrahlung), bei einem wiederkehrenden Auftreten von Tumoren (rezidiv) oder einer Metastasierung.

Eisenmangelanämie

Wenn Du trotz ausreichend Schlaf immer schlapp und müde bist, könnte sich hinter den Symptomen auch ein Eisenmangel verbergen. Unser Körper benötigt das Spurenelement Eisen für den Sauerstofftransport, für Stoffwechselvorgänge und das Immunsystem sowie für die Energieversorgung unserer Zellen. Menstruierende Frauen, Vegetarier und Veganer sind gefährdet, unter einem Eisenmangel zu leiden. Neben Müdigkeit, Leistungsabfall und Konzentrationsstörungen können außerdem Symptome wie Schwindel, Reizbarkeit, depressive Verstimmungen und eine Kälteempfindlichkeit auftreten.

Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz), ein niedriger Blutdruck und Herzrhythmusstörungen sowie die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) können uns ebenfalls müde machen und das Schlafbedürfnis in die Höhe treiben.

Verantwortlich für die kardiovaskulären und pulmonalen Erkrankungen ist eine mangelnde Blut- und Sauerstoffversorgung des Körpers. Neben einer ausgeprägten chronischen Müdigkeit und einem Energiemangel treten aber in der Regel weitere Symptome auf, die auf die ursächliche Erkrankung hinweisen.

Chronische Niereninsuffizienz

Sind unsere Nieren chronisch geschwächt, zeichnet sich das auch durch eine starke Müdigkeit aus. Im weiteren Verlauf einer Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) treten in der Folge weitere Erkrankungen auf, die das Gefühl der Müdigkeit noch weiter verstärken. Weitere Symptome einer Niereninsuffizienz sind eine Polyurie (vermehrtes Wasserlassen), Ödeme (Wasseransammlungen im Gewebe) und Störungen im Wasser- und Säure-Basen-Haushalt.

Hormonelle Störungen

Störungen im Hormonhaushalt können ebenfalls mit chronischen Müdigkeitszuständen und einem erhöhten Schlafbedürfnis einhergehen. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) werden zu wenig Schilddrüsenhormone gebildet, was viele verschiedene Symptome hervorrufen kann. Neben Müdigkeit und Antriebslosigkeit sind u. a. auch eine Kälteempfindlichkeit, Anämie, ein niedriger Blutdruck Ausdruck einer Hypothyreose.

Bei einem Diabetes Typ 2 reagieren die Zellen zunehmend unempfindlich auf das Hormon Insulin. Der Krankheitsverlauf ist schleichend und zunächst ohne nennenswerte Krankheitsgefühle. Ein Frühsymptom könnte aber eine leichte Ermüdbarkeit und eine reduzierte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sein. Eine Erklärung für die Müdigkeit sehen Mediziner in den täglichen instabilen Schwankungen des Blutzuckerspiegels zwischen Unterzuckerung und Überzuckerung.

Psychische Erkrankungen

Nicht nur körperliche Erkrankungen machen uns zu Langschläfern, auch psychische Störungen können mit einem erhöhten Schlafbedürfnis einhergehen. Bei Depressionen gehören eine ausgeprägte Müdigkeit und ein Energieverlust mit zu den Leitsymptomen und laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch zu den Diagnosekriterien einer Depression. Eine Depression steht auch häufig im Zusammenhang mit einer gedrückten Stimmungslage, einem Motivationsmangel und mangelndem Interesse sowie einer Freud- und Hoffnungslosigkeit. Eine unerklärbare Müdigkeit steht oft ganz am Anfang eines depressiven Prozesses.

Auch seelische Belastungen und Stress im Alltag und Beruf können uns sehr erschöpfen und das Schlafbedürfnis steigern. Beim sogenannten Burn-out-Syndrom fühlen sich Betroffenen im wahrsten Sinne des Wortes ausgebrannt, sind erschöpft und könnten permanent schlafen.

Schlafstörungen

Unentdeckte Schlafstörungen wie das Schlafapnoe-Syndrom können unsere Schlafqualität deutlich herabsetzen und zu einem erhöhten Schlafbedürfnis führen. Bei der Schlafapnoe handelt es sich laut der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin DGSM um eine sogenannte „Schlafbezogene Atmungsstörung“, die unbemerkt im Schlaf auftritt und auf Dauer die Erholungsfunktion in der Tiefschlafphase stört. Dadurch entsteht u. a. eine starke Schläfrigkeit am Tag, obwohl wir eigentlich ausreichend Schlaf in der Nacht bekommen haben.

Eine weitere Ursache für ein erhöhtes Schlafbedürfnis können auch sogenannte Hypersomnien (Schlafsüchte) sein. Eine äußerst ausgeprägte exzessive Tagesschläfrigkeit ist das Leitsymptome von Hypersomnien. Auch plötzliche Einschlafattacken können mitten am Tag auftreten, wodurch das Risiko für Unfälle erhöht ist. Es gibt verhaltensbedingte Hypersomnien, die durch eine mangelnde Schlafhygiene, Medikamente oder Drogen hervorgerufen werden und es gibt primär-idiopathische Hypersomnien wie die Narkolepsie, die zu den neurologischen Erkrankungen gehört.

Medikamente

Es gibt eine Vielzahl an Medikamenten, die eine Müdigkeit direkt oder als Nebenwirkung hervorrufen können. Dazu gehören:

  • Antidepressiva
  • Neuroleptika
  • Mittel gegen Bluthochdruck
  • Antihistaminika
  • Schlaf- und Beruhigungsmittel

Genussmittel und Drogen

Suchterzeugende Genussmittel wie Alkohol und Nikotin gehören ebenfalls zu den Ursachen, die eine Müdigkeit mit einem erhöhten Schlafbedürfnis hervorrufen können. Letztendlich stören Drogen und Genussmittel unseren erholsamen Schlaf, weil sie meistens unsere Tiefschlafphase verhindern und damit für eine schlechte Schlafqualität sorgen. Der abendliche Genuss von Alkohol mag zwar eine gute Einschlafhilfe sein, aber dafür lässt er viele von uns nicht durchschlafen. Unserer Körper ist in der Nacht mit der Entgiftung beschäftigt und lässt uns mehrmals aufwachen.

Eine Drogen- und Alkoholsucht sind eindeutige Ursachen für eine Hypersomnie. Der Körper versucht die schlechte Schlafqualität durch mehr Schlaf auszugleichen.

Zu viel Schlaf: Symptome und gesundheitliche Folgen

Die typischen Symptome eines Schlafmangels wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Konzentrationsschwierigkeiten und eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit sind allgemein bekannt. Welche Symptome gehen aber mit zu viel Schlaf einher?

Schlafen wir dauerhaft zu viel und zu lange, gerät unser Schlaf-Wach-Rhythmus durcheinander. Wie auch bei einem Schlafmangel sind auch bei einem Schlafüberschuss unsere verbalen Fähigkeiten und unser logisches Denken beeinträchtigt. Wir können komplexe Sachverhalte schwerer verstehen und durchdenken. Unser Gedächtnis ist jedoch nicht beeinträchtigt. Warum sowohl ein Überschuss als auch ein Mangel solche Symptome unserer Gehirnfunktion zeigen, ist noch nicht geklärt.

Es sind aber nicht nur die Gehirnfunktionen betroffen, die Liste der möglichen Gesundheitsrisiken durch zu viel Schlaf ist lang. In einigen Studien wurde festgestellt, dass bei Langschläfern im Vergleich zu Menschen mit einer normalen Schlafdauer die Sterblichkeit scheinbar erhöht ist. Schlafforscher betonen aber auch, dass diese Studienergebnisse nicht für jeden Langschläfer zutreffen. Viele Menschen benötigen eben 10 bis 12 Stunden Schlaf ohne das sie gesundheitliche Risiken befürchten müssen.

Was aber können die unerwünschten gesundheitlichen Folgen sein, wenn wir permanent zu viel schlafen?

Erhöhtes Risiko für Depression

Depressionen können nicht nur die Ursache für Übermüdung und zu viel Schlaf sein, sondern auch die Folge. Wir werden scheinbar anfälliger für die Entwicklung einer Depression, wenn wir zu viel schlafen. Eine Studie aus dem Jahr 2014 kam zu dem Ergebnis, dass das Risiko für Depressionen um 49 Prozent steigt, wenn wir neun oder mehr Stunden schlafen. Bei Menschen, die zwischen sieben und neun Stunden schlafen, lag die Wahrscheinlichkeit für eine Depression bei 29 Prozent.

Reduzierte Fruchtbarkeit

In Südkorea wurde in einer Studie mit 650 Frauen untersucht, inwieweit ihre Schlafgewohnheiten einen Einfluss auf eine anstehende künstliche Befruchtung haben. Die Frauen befanden sich zudem in einer Hormonbehandlung. Am höchsten war die Schwangerschaftsquote bei Frauen, die nachts zwischen sieben und acht Stunden schliefen. Bei Frauen mit neun bis elf Stunden Schlaf pro Nacht hingegen war die Erfolgsquote am niedrigsten. Inwieweit ein kausaler Zusammenhang zwischen der übermäßigen Schlafdauer und einer Fruchtbarkeit oder Unfruchtbarkeit besteht, konnte abschließend aber nicht von den Forschern bestätigt werden.

Erhöhtes Risiko für Übergewicht (Adipositas)

Sowohl ein Schlafmangel als auch ein Schlafüberschuss kann zu einer Gewichtszunahme führen. Zu dem Ergebnis kamen kanadische Forscher in einer Langzeitstudie. So legten Teilnehmer der Studie, die neun bis zehn Stunden pro Nacht schliefen, etwa fünf Kilogramm an Körpergewicht zu, obwohl sie sich ausgewogen ernährten und sich ausreichend bewegten. Die Schlafdauer ist also ein weiterer Faktor, der bei einer Gewichtszunahme und Übergewicht eine Rolle spielen kann.

Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Das „Journal of American Heart Disease“, ein Fachmagazin zum Thema Herzerkrankungen, berichtete, dass Langschläfer, die regelmäßig etwa 10 Stunden pro Nacht schlafen, im Vergleich zu Normalschläfern mit etwa sieben Stunden Schlaf pro Nacht, ein erhöhtes Risiko Herz-Kreislauf-Probleme und Herzinfarkte aufweisen.

Laut einer Studie ist insbesondere bei Frauen der Unterschied sehr deutlich. Das Risiko für die Entwicklung einer Herzerkrankung ist demnach um 37 Prozent erhöht, wenn Frauen regelmäßig über 11 Stunden schlafen. Wer zwischen sechs und acht Stunden pro Nacht schläft, ist laut Kardiologen am besten vor Herzerkrankungen geschützt.

Beeinträchtigung der Gehirnfunktion und Gedächtnisleistung

Zu viel Schlaf kann sich besonders bei älteren Frauen negativ auf die geistige Gesundheit auswirken und die Gehirnfunktion beeinträchtigen. Gleiches gilt aber auch, wenn ältere Menschen zu wenig Schlaf in der Nacht abgekommen. Sie werden vergesslicher und das Risiko für geistige Beeinträchtigungen ist erhöht. Eine ungesunde Schlafdauer kann außerdem ein erster Hinweis auf eine Demenzerkrankung sein.

Erhöhtes Risiko für Diabetes Typ 2

Wie bei Schlafmangel erhöht sich auch bei einem Schlafüberschuss das Risiko für einen Diabetes mellitus Typ 2. Zu dieser Feststellung kamen Forscher der medizinischen Fakultät der Université Laval. Das Risiko war bei Personen, die weniger als sieben oder mehr als acht Stunden pro Nacht schliefen, demnach um das 2,5-Fache erhöht.

Metabolisches Syndrom

Beim sogenannten Metabolischen Syndrom bestehen bestimmte Erkrankungen und Symptome gleichzeitig. Betroffene haben typischerweise Übergewicht (Adipositas), Bluthochdruck (Hypertonie) sowie Störungen im Zucker- und Fettstoffwechsel. Bei der Entstehung des Syndroms spielen Faktoren wie Bewegungsmangel, Stress, Rauchen und Alkohol eine Rolle und wie es scheint auch unsere Schlafdauer.

Es besteht scheinbar ein Zusammenhang zwischen dem metabolischen Syndrom und einer Schlafdauer von mehr als zehn Stunden pro Nacht, insbesondere bei Frauen mit einem größeren Taillenumfang, erhöhten Blutzuckerwerten und niedrigen HDL-Cholesterol-Werten. Welcher Mechanismus sich dahinter verbirgt, konnte bisher noch nicht erforscht werden.

Zu viel Schlaf: Wann zum Arzt?

Obwohl Du 10 bis 12 Stunden pro Nacht schläfst, fühlst Du Dich permanent müde, kraftlos und ohne Energie? Dann wäre ein Besuch bei Deinem Hausarzt empfehlenswert. Möglicherweise schläfst Du zu viel, weil sich dahinter eine noch unentdeckte Schlafstörung oder eine andere Krankheit verbirgt, denn eine dauerhafte Müdigkeit und Erschöpfung können Anzeichen dafür sein.

Auch wenn Du bemerkst, dass die ständige Müdigkeit länger andauert, Deine Konzentration sowie die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit den beruflichen und privaten Alltag deutlich einschränken, wäre ein Arztbesuch zu empfehlen.

Diagnose: Was passiert beim Arzt?

Deine erste Anlaufstelle wäre zunächst eine Hausarztpraxis. In einem ersten Gespräch berichtest Du über Deine Beschwerden und der Arzt wird Deine Krankengeschichte erheben. Rede ganz offen über Deine Schlafroutine und Schlafhygiene sowie über Deine Lebensweise, denn oft sorgen auch bestimmte Verhaltensweisen dafür, dass wir ein erhöhtes Schlafbedürfnis haben.

Um andere Erkrankungen auszuschließen, folgen im Anschluss an die Anamnese eine körperliche Untersuchung und eine Blutuntersuchung. Sollte der Arzt aufgrund der Ergebnisse einen Verdacht auf eine bestimmte Krankheit haben, könnte es sein, dass Du für weitere Untersuchungen in eine Facharztpraxis überwiesen wirst. Wird eine Schlafstörung wie eine Schlafapnoe vermutet, wäre eine Polysomnographie in einem Schlaflabor angezeigt.

Möglicherweise werden auch Untersuchungen in einer Praxis der Neurologie notwendig, um mithilfe eines EEGs (Aufzeichnung der Hirnströme) neurologische Erkrankungen auszuschließen oder es wird bei einem Kardiologen eine Elektrokardiografie (EKG) zur Aufzeichnung der Herztätigkeit durchgeführt. Je nachdem, welche Symptome Du neben dem erhöhten Schlafbedürfnis noch zeigst, bedarf es möglicherweise auch weiterer Untersuchungen der Lungen oder des Magen-Darm- oder Urogenitaltraktes.

Zu viel Schlaf: Therapie

Wurde bei Dir eine bestimmte Krankheit diagnostiziert, richtet sich das Augenmerk der Therapie auf die Behandlung der Grunderkrankung. Bei hormonellen Störungen werden entsprechende Hormone verordnet, ein Eisenmangel wird mit Eisenpräparaten substituiert. Möglicherweise nimmst Du aber auch Medikamente ein, die zu einem erhöhten Schlafbedürfnis führen und müde machen. Dann wäre eventuell eine Umstellung auf ein anderes Medikament angezeigt.

Eine spezifische Behandlung für ein erhöhtes Schlafbedürfnis trotz ausreichend Schlaf in der Nacht gibt es nicht. Mit einigen Maßnahmen im Alltag könntest Du aber zu einer geeigneten Schlafroutine und Schlafhygiene beitragen. Sie schaffen die beste Voraussetzung für guten Schlaf.

Zu viel Schlaf: Was tun?

Wie wir festgestellt haben, hat unsere persönliche Schlafdauer nichts mit unserer Schlafqualität zu tun. Es kommt letztendlich darauf an, wie erholt und ausgeschlafen wir uns am nächsten Morgen fühlen. Die richtige Schlafhygiene bildet die Grundlage für einen erholsamen Schlaf und kann unsere Schlafqualität deutlich beeinflussen.

Maßnahmen für eine gute Schlafhygiene und Tipps für den Alltag wären z. B.:

  • Eine individuell angepasste Matratze, einen passenden Lattenrost und das richtige Kissen wählen.
  • Feste Schlafzeiten einhalten.
  • Abends möglichst auf Alkohol und koffeinhaltige Getränke (Kaffee, schwarzer Tee) verzichten.
  • Regelmäßige körperliche Bewegung, aber vor dem Schlafengehen keine übermäßige körperliche Anstrengung (Sport) ausüben.
  • Eine ruhige, dunkle Schlafumgebung mit einer idealen Zimmertemperatur (18° Celsius) gestalten.
  • Auf eine vitaminreiche, fettarme Ernährung achten und Übergewicht vermeiden.
  • Stress abbauen mit Entspannungsmethoden wie z. B. Autogenem Training, Yoga, Achtsamkeit oder der Progressiven Muskelentspannung.

Ausführliche Informationen zur Schlafhygiene erhältst Du hier.