Enuresis nocturna: Ursachen, Diagnose, Behandlung des nächtlichen Bettnässens

Böses oder eher nasses Erwachen im Kinderzimmer: Jede Nacht entleeren weltweit viele Kinder unkontrolliert die Blase und nässen das Bett ein. Der medizinische Fachbegriff für das Einnässen in der Nacht ab einem Alter von fünf Jahren lautet Enuresis oder Enuresis noctura.

Nächtliches Bettnässen ist eine relativ häufige Störung im Kindesalter und kann eine langwierige Belastung für das Kind und die Familie darstellen. Statt dem Kind Vorwürfe zu machen, es zu tadeln oder mit Trinkverboten zu bestrafen, sind Geduld und Verständnis gefragt. Schließlich ist das nächtliche Einnässen nicht beabsichtigt. Im Gegenteil, betroffene Kinder möchten so schnell wie möglich trocken werden und benötigen dafür etwas Unterstützung.

Enuresis sollte von einem Kinderarzt oder einer Kinderärztin abgeklärt werden, denn die möglichen Ursachen für die Störung sind vielfältig. Nach der Diagnose kann die nächtliche Harninkontinenz gut behandelt werden.

Hier erfährst Du alles rund um das Thema Enuresis.

Was ist Enuresis bzw. Enuresis nocturna?

Unter einer Enuresis oder Enuresis nocturna verstehen Mediziner*innen das unwillkürliche Einnässen während der Nacht, ohne dass sich eine körperliche (organische) Ursache dahinter verbirgt. Die unkontrollierte Harninkontinenz betrifft Kinder ab dem 5. Lebensjahr und der Urinabgang erfolgt dabei mindestens einmal pro Monat über einen Zeitraum von drei Monaten.

Tritt die Enuresis seltener auf, wird sie als Symptom und nicht als behandlungsbedürftige Störung bezeichnet. Von einer häufigen Enuresis wird hingegen gesprochen, wenn Kinder mindestens viermal pro Woche ins Bett machen.

So wird die Harnblase gesteuert

Bei Kindern unter fünf Jahren wird der ungewollte und unkontrollierte Harnabgang in der Nacht als normal, also als ein physiologischer Vorgang eingestuft. Kinder lernen ab dem zweiten Lebensjahr, die Blase zu kontrollieren. Das Zusammenspiel der Funktionen zwischen Nieren, Blase und Muskulatur stellt eine komplexe Entwicklung für das Nervensystem dar und benötigt daher etwas Zeit.

Als Hohlorgan speichert die Blase Urin. Sie besteht aus glatter Muskulatur (Detrusor) und unsere Schließmuskeln wie der interne und externe Sphinkter urethrae sowie unser Beckenboden verhindern, dass Urin unkontrolliert auslaufen kann. Das zentrale Nervensystem (ZNS) steuert die Blasenfunktion im Miktionszentrum, im frontalen Kortex und im Hypothalamus.

Die Nervenzellen erhalten erst Signale aus der Blase wie z.B. einen Druckanstieg und schicken dann über die Nervenbahnen Reize zurück an die Blase, die daraufhin mit Dehnung und Kontraktion reagiert. Eine reife Blasenfunktion ist dann gegeben, wenn der Druckanstieg in der Blase langsam und ohne Kontraktion erfolgt und die Entleerung koordiniert abläuft.

Häufigkeit der Enuresis nocturna

In Deutschland leiden 600.000 Kinder über fünf Jahre unter dem unwillkürlichen Einnässen in der Nacht. Die Krankheitshäufigkeit (Prävalenz) ist weltweit etwa gleich. So sind etwa 16 % der 5-Jährigen, 10 % der 7-Jährigen, 8 % der 8-Jährigen, 2,5 % der 10-Jährigen sowie 1-2 % Jugendliche betroffen. Enuresis im Erwachsenenalter ist selten, kommt aber ebenfalls bei etwa 1 % vor.

Jungs sind fast doppelt so häufig von dem nächtlichen Problem betroffen wie Mädchen. Generell kann festgehalten werden: Je älter die Kinder werden, desto seltener nässen sie tagsüber oder nachts ein.

Enuresis nocturna versus Enuresis diurna

Das neue internationale Klassifikationssystem der International Children’s Continence Society, kurz ICCS, unterscheidet zwischen häufigen, intermittierenden (unterbrochenen) Formen des Einnässens, die in den meisten Fällen keine körperliche (organische) Ursache haben und den seltenen kontinuierlichen Formen der Harninkontinenz mit überwiegend organischen Ursachen. 

Bei der intermittierenden Form wird zudem zwischen der nächtlichen Enuresis und der funktionellen Inkontinenz am Tag unterschieden. Enuresis nocturna bezeichnet jedes Einnässen im Schlaf inklusive Mittagsschlaf. Die nicht-organische (funktionelle) Harninkontinenz hingegen bezieht sich auf jedes intermittierende Einnässen im Wachzustand.

Nach der ICCS ist die ursprüngliche Bezeichnung für Einnässen am Tag „Enuresis diurna“ daher überflüssig. Die nächtliche Enuresis tritt wesentlich häufiger auf als die Enuresis diurna:

  • Enuresis nocturna in 70 % der Fälle
  • Enuresis diurna in 5 % der Fälle
  • Enuresis diurna et nocturna in 25 % der Fälle

4 Formen des Einnässens in der Nacht

Neben der Unterscheidung zwischen einer häufigen intermittierenden Enuresis ohne körperliche Ursachen und der kontinuierlichen Enuresis mit organischen Ursachen wird außerdem noch zwischen einer primären Enuresis und einer sekundären Enuresis sowie weiteren Subtypen unterschieden.

Bei einer primären Enuresis nocturna war das Kind noch gar nicht trocken und macht immer noch ins Bett. Bei der sekundären Enuresis nocturna war das Kind bereits trocken, aber nach einer halbjährigen Phase kommt es doch wieder zum nächtlichen Einnässen.

Die primäre und sekundäre Form wird noch weiter darin unterteilt, ob eine Blasendysfunktion vorliegt oder nicht. Bei der monosymptomatischen Enuresis nocturna, kurz MEN, liegen keine Zeichen einer Blasendysfunktion vor, bei der sogenannten nicht-monosymptomatischen Enuresis nocturna (NMEN) liegt nachweisbar eine Blasendysfunktion tagsüber oder andere mögliche Erkrankungen (Komorbiditäten) vor. Die Differenzierung ist wichtig, weil sich die Therapie bei der NMEN auf die Blasendysfunktion konzentriert.

Letztendlich ergeben sich daraus vier verschiedenen Formen der Enuresis nocturna:

  1. Primär mononsymptomatische Enuresis nocturna (PMEN)
  2. Primär nicht-monosymptomatische Enuresis nocturna (PNMEN)
  3. Sekundär monosymptomatische Enuresis nocturna (SMEN)
  4. Sekundär nicht-monosymptomatische Enuresis nocturna (SNMEN)

Enuresis nocturna: Ursachen

In den meisten Fällen kann für eine Enuresis nicht nur eine Ursache ausgemacht werden. Vielmehr spielen mehrere Faktoren und Auslöser eine Rolle.

Nur in seltenen Fällen steckt hinter einer Enuresis eine Störung der Nieren oder der Blase. Auch andere körperliche Ursachen kommen eher selten beim nächtlichen Einnässen infrage. Anders sieht es bei einer kontinuierlichen unwillkürlichen Harninkontinenz aus, die oft durch eine organische Ursache wie angeborene Fehlbildungen der Harnwege oder einer Blasendysfunktion (organische Harninkontinenz) hervorgerufen wird.

Genetische Disposition als Ursache

Bettnässen kann genetisch bedingt sein, also familiär gehäuft auftreten. Oft liegt es dann an einer langsameren Entwicklung der Blasenkontrolle oder Blasensteuerung im Vergleich zu anderen Kindern. Wenn ein Elternteil Enuretiker*in war, liegt beim Kind die Wahrscheinlichkeit bei etwa 44 %, litten beide Elternteile unter Bettnässen, liegt das Risiko bei Kindern bei 77 %.

Sekundäre Enuresis: Soziale Faktoren und psychische Störungen als Auslöser

Bei der sekundären Enuresis kommt es nach einer trockenen Phase zu einem Rückfall. Die Auslöser dafür sind meistens soziale Gründe und belastende Lebensereignisse. Im Vordergrund stehen dann meistens Ängste oder Unsicherheiten, die betroffene Kinder beeinträchtigen.

Dahinter kann ein Umzug in eine andere Stadt stecken, der Wechsel vom Kindergarten in die Schule, der Verlust eines Familienmitgliedes durch Scheidung oder Tod und die Geburt eines Geschwisterkindes. Auch Probleme und Ärger mit anderen Kindern, Kindergärtner*innen oder Lehrer*innen können Jahre später noch zu einem Rückfall ins Bettnässen führen. Der Anteil an psychischen Störungen liegt zwischen 40 und 75 %.

Funktionelle Harninkontinenz als Ursache

Die ICCS unterscheidet bei der funktionellen Harninkontinenz folgende Ursachen:

  • Dranginkontinenz: Überaktive Blase mit plötzlichem Harndrang und Pollakisurie, d.h. häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen (> 7-mal pro Tag).
  • Miktionsaufschub: Unbewusstes Hinauszögern des Wasserlassens (Miktion), z.B. beim intensiven Spielen. Die Blase passt sich dem Verhalten an, der Harndrang bleibt aus und die Blase entleert sich plötzlich nachts im Schlaf.
  • Dyskoordinierte Miktion: Störung der Entleerungsphase bei NMEN durch verzögerte Reifungsprozesse oder erlerntes Fehlverhalten. Der Harnstrahl ist abgeschwächt und bricht beim Urinieren ab. Dadurch bleibt Restharn zurück und die Blase entleert sich ungewollt in der Nacht.
  • Stressinkontinenz: Harnabgang durch Niesen, Husten oder starker Anspannung der Bauchmuskulatur, die so auf die Blase drückt, dass sie sich plötzlich entleert.
  • Lachinkontinenz: Reflexartiger Abgang von Urin durch Lachen.
  • Unteraktive Blase („lazy bladder“): Miktion kommt ohne Harndrang nur verzögert in die Gänge und verläuft mit Unterbrechungen. Vollständige Entleerung der Blase nur mithilfe der Bauchpresse möglich.

Ursachen für Enuresis nocturna im Überblick:

  • Genetische Disposition, familiäre Häufung
  • Angeborene Fehlbildung im Harntrakt
  • Geringe Blasenkapazität
  • Nächtliche Polyurie: Die Blase scheidet nachts mehr Urin aus
  • Organische Blasendysfunktion
  • Bakterielle Harnwegsinfektionen
  • Stuhlentleerungsprobleme mit Verstopfung (Obstipation) und Stuhlinkontinenz
  • Funktionelle Harninkontinenz: Drang-, Stress- und Lachinkontinenz, Miktionsaufschub, unteraktive Blase und dyskoordinierte Miktion
  • Soziale Faktoren: Umzug, Geburt eines Geschwisterkindes
  • Psychische Probleme, emotionale Störungen: Ängste, Ärger, Verluste, Depressionen
  • Entwicklungsstörungen: Lernbehinderungen wie Legasthenie, Störungen der Sprache und des Sprechens, geistige Behinderung
  • ADHS
  • Schlafstörungen: Parasomnien, Schlafapnoe-Syndrom
  • ADH-Mangel: Ist zu wenig von dem antidiuretischen Hormon (ADH) vorhanden, wird vermehrt Urin ausgeschieden
  • Falsches Trinkverhalten: Übermäßiges Trinken vorm Zubettgehen

Es gibt auch eine Vielzahl an Erkrankungen, die Enuresis als Krankheitssymptom zeigen. Dazu gehören:

  • Autismus (verschiedene tiefgreifende Entwicklungsstörungen)
  • Diabetes insipidus (seltene hormonelle Erkrankung)
  • Wachstumshormonmangel, Kleinwüchsigkeit (Wachstumsstörung)
  • Morbus Addison (seltene Erkrankung der Nebennierenrinde)
  • Pica-Syndrom (Essstörung, Einnahme von ungenießbaren Substanzen)
  • Rachitis (Knochenerkrankung mit Vitamin-D- oder Kalziummangel)

Enuresis nocturna: Symptome von Bettnässen

Das Leitsymptom einer Enuresis ist das unwillkürliche Einnässen und die vollständige Blasenentleerung zur falschen Zeit am falschen Platz wie z.B. nachts im Bett. Das Bettnässen wird dabei nach Häufigkeit, Urinmenge und nach der Belastung des Kindes eingeteilt.

Symptome der nicht-monosymptomatischen Enuresis

Zeichen der nicht-monosymptomatischen Enuresis sind Symptome wie Harndrang, häufiges Wasserlassen, Miktionsaufschub, Dyskoordination der Miktion, Einsatz von „Haltemanövern“ wie die Oberschenkel aneinanderpressen oder Hockstellung einnehmen, ungewollter Harnabgang bei starkem Harndrang, unvollständige Blasenentleerung mit stakkatoartigem Wasserlassen, plötzlicher Harnabgang bei erhöhter Bauchspannung durch Niesen oder Husten.

Auch eine Verstopfung kann auf eine Blasendysfunktion hinweisen. Es sind wichtige Hinweise, denn im Rahmen einer Therapie muss die Blasendysfunktion zuerst behandelt werden.

Symptome einer primären Enuresis nocturna

  • Tiefer Schlaf und erschwertes Aufwecken bei normalem Schlafverhalten
  • Häufiges Einnässen mit einer eher größeren Urinmenge
  • Seltene psychische Begleitsymptome

Symptome einer sekundären Enuresis nocturna

  • Rückfälligkeit nach einer sechsmonatigen trockenen Phase
  • Häufige psychische Begleitsymptome wie Ängste, Ärger, Depressionen

Das Bettnässen kann betroffenen Kindern ganz schön zu schaffen machen. So ist es Kindern sehr unangenehm, wenn sie im Vergleich zu anderen Kindern immer noch eine Windel tragen müssen. Deswegen vermeiden sie es, bei Freunden zu übernachten. Die Situation ist manchmal so belastend, dass Kinder sich zurückziehen und isolieren.

Die Auswirkungen einer Enuresis nocturna sollten daher nicht unterschätzt werden. Darum ist eine Diagnostik durch Ärzt*innen auch so wichtig. Nächtliches Einnässen lässt sich gut behandeln und Kindern so wie der gesamten Familie wird dadurch viel Leid erspart.

Enuresis nocturna: Diagnose

Bei der Diagnose steht zunächst der Ausschluss einer organischen Erkrankung im Vordergrund. Das ist besonders wichtig, weil sich chronische Entzündungen, angeborene Missbildungen des Harntrakts oder Fehlbildungen im Bereich der Harnwege hinter dem nächtlichen Einnässen verbergen können. Unbehandelt können solche Beschwerden die lebenswichtigen Nieren zerstören.

Auch Grunderkrankungen wie ein Diabetes mellitus oder eine Medikamenteneinnahme von wassertreibenden Arzneien (Diuretika) müssen im Rahmen der Diagnostik abgeklärt werden.

Der erste Schritt bei der Diagnose Bettnässen ist ein ausführliches Erstgespräch (Anamnese) mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin. Hier werden auch psychische Beschwerden angesprochen. Dann folgt in der Regel eine körperliche Untersuchung, eine Urindiagnostik sowie bildgebende Verfahren, z.B. eine Ultraschalluntersuchung von Nieren und Harntrakt.

Besteht der Verdacht auf eine organische Erkrankung, können weitere diagnostische Verfahren zum Einsatz kommen.

Anamnese bei Bettnässen

Die Basis für jede Diagnostik ist die Anamnese. In dem ersten Gespräch werden alle wichtigen Informationen über das Bettnässen gesammelt. Der Kinderarzt oder die Kinderärztin wird viele Fragen zur aktuellen Symptomatik stellen, z.B. zur Häufigkeit des Einnässens, ob Auffälligkeiten beim Wasserlassen oder Grunderkrankungen bestehen, wie das Trinkverhalten beim Kind aussieht oder ob die Eltern selbst im frühen Kindesalter unter Enuresis nocturna gelitten haben.

Hilfreich für die Anamnese und Diagnose sind auch die Auswertungen aus einem sogenannten Blasentagebuch und einem 14-Tage-Protokoll. In dem Blasentagebuch werden über zwei bis drei Tage das Trink- und Miktionsverhalten protokolliert. Im Idealfall wird auch die nächtlich ausgeschiedene Urinmenge gemessen und dokumentiert, um eine mögliche nächtliche Polyurie festzustellen.

Das 14-Tage-Protokoll dokumentiert in Form einer Strichliste die Harninkontinenz am Tag und in der Nacht, die Verwendung von Windeln, die Häufigkeit der Darmentleerung oder Einkoten (Stuhlinkontinenz).

Von Bedeutung sind auch bisherige Behandlungsmaßnahmen, die möglicherweise zum Einsatz kamen, um das Bettnässen zu beheben, aber erfolglos blieben.

Screening für psychische Probleme

Um psychische Begleitstörungen zu erfassen, wird ein sogenanntes Fragebogen-Screening durchgeführt. Psychische Symptome sind häufige Begleiterscheinungen bei der sekundären Enuresis. Die ICCS empfiehlt zur Erfassung von psychischen Problemen bei Kindern mit Harninkontinenz einen Elternfragebogen wie die „Child Behavior Checklist“, kurz CBCL.

In manchen Fällen wird bei Verdacht einer psychischen Störung auch eine weiterführende kinderpsychiatrische Diagnostik nötig. Zur Abklärung wird manchmal auch eine stationäre Aufnahme für psychologische Zusatzuntersuchungen und Beobachtungen empfohlen.

Körperliche Untersuchung bei Bettnässen

Bei der körperlichen Untersuchung überprüft der Kinderarzt oder die Kinderärztin, ob organische Ursachen oder andere Grunderkrankungen für das Einnässen verantwortlich sind.

Dafür werden die Wirbelsäule und die unteren Extremitäten auf Fehlbildungen inspiziert, die Muskelreflexe und der Zehen- und Hackengang überprüft. Auch die Genitalien und Analregion sollten vorsichtig nach Harnträufeln, Entzündungszeichen oder Stuhlschmieren angeschaut werden, aber nur, wenn das Kind der Inspektion ausdrücklich einwilligt.

Ein Abtasten der Darmregion könnte eine sogenannte Skybala aufzeigen. Dabei handelt es sich um verhärtete Kotballen, die auf eine Verstopfung hinweisen.

Laboruntersuchung: Urindiagnostik

Mithilfe einer Urinuntersuchung kann überprüft werden, ob eine Harnwegsinfektion das nächtliche Bettnässen verursacht. In der Regel wird dafür ein Urin-Streifentest durchgeführt. Für die Harnanalyse wird der Mittelstrahlurin benötigt. Bei Harnwegsinfekten spielt z.B. der Nachweis von Bakterien eine wichtige Rolle.

Urin-Schnelltests können schnell und einfach Hinweise auf Krankheiten liefern, aber es sind nur Anhaltspunkte. Eine Verdachtsdiagnose wird nur im Zusammenspiel mit weiteren Symptomen bestätigt.

Bildgebende Verfahren: Ultraschall (Sonographie)

Bei einer Ultraschalluntersuchung werden die Nieren und der Harntrakt bildlich erfasst und untersucht. So können mögliche körperliche Fehlbildungen entdeckt oder ausgeschlossen werden, die Blasenwanddicke und die Weite des Enddarms (Rektum) überprüft werden.

Eine verdickte Blasenwand kann auf eine Blasenentzündung (Zystitis), einen Miktionsaufschub, auf eine überaktive Blase oder neurologische Entleerungsstörungen hinweisen. Ein erweitertes Rektum im Zusammenhang mit Stuhlschmieren oder Einkoten hingegen deutet auf eine Obstipation mit stuhlgefülltem Rektum oder auf eine Stuhlinkontinenz hin.

Bestimmung von Restharn

Eine Restharnbestimmung ist bei einer Enuresis nocturna fester Bestandteil der Diagnostik. Bleibt nach dem Wasserlassen Restharn in der Blase zurück, sollte die Untersuchung mehrfach wiederholt werden, weil nur ein nachweislich wiederholter Restharn als pathologisch gilt.

Hinter einer Restharnbildung könnten sich eine Harnröhrenverengung oder eine Nervenstörung der Blase (neurogene Blasenentleerungsstörung) verbergen.

Miktionszystourographie (MCU), Beckenboden-Elektromyographie, Uroflowmetrie

Vermutet der Kinderarzt oder die Kinderärztin eine organische Störung hinter dem nächtlichen Einnässen, können weitere diagnostische Schritte wie eine Miktionszystourographie (MCU), Beckenboden-Elektromyographie oder eine Harnflussmessung nötig werden.

Eine sogenannte Miktionszystourographie (MCU) wird zum Röntgen der Harnblase vor und während des Wasserlassens unter Verwendung eines Kontrastmittels angewendet. Die MCU kommt dann zum Einsatz, wenn fieberhafte Harnwegsinfekte auftreten, Anomalien oder ein Stau in den Harnwegen festgestellt wurde. 

Auch eine Beckenboden-Elektromyographie (Beckenboden-EMG) kann notwendig werden, wenn Entleerungsstörungen der Harnblase bestehen, die nervlich bedingt sind oder durch Muskelerkrankungen hervorgerufen werden. Die Durchführung eines Beckenboden-EMG ist wichtig zur Beurteilung von Miktionsstörungen bei Stressinkontinenz, analer Inkontinenz und Obstipation.

Bei dem Verdacht auf eine organische Grunderkrankung und bei wiederholt nachweisbarer Bildung von Restharn in der Blase sowie bei Veränderungen von Nieren und Harntrakt wird eine Harnflussmessung, eine sogenannte Uroflowmetrie, empfohlen.

Enuresis nocturna: Therapie

Beim nächtlichen Einnässen richtet sich die Therapie nach der Art der Enuresis. Sind organische Störungen oder andere Grunderkrankungen verantwortlich, müssen diese an erster Stelle behandelt werden. Wichtige Therapiebausteine bei Bettnässen sind:

  1. Therapeutische Beratung
  2. Apparative Verhaltenstherapie (AVT)
  3. Medikamentöse Behandlung (Desmopressin, ADH-Analogon)

1. Urotherapie und therapeutische Beratung

Die Grundlage der Enuresis-Therapie stellt eine Urotherapie und eine ausführliche Beratung durch Ärzt*innen dar. Das Ziel der Behandlung ist es, die Blasenkontrolle zu verbessern und das Bettnässen zu stoppen.

Grundsätzlich sollten Eltern sich bewusst machen, dass das Kind nicht mit Absicht ins Bett macht und sich vielmehr dafür schämt. Daher besteht eine Aufgabe der Eltern darin, ihrem Kind Mut zu machen und ihm das Gefühl geben, dass es bald trocken sein und auch bleiben wird.

Wichtig in dem Zusammenhang ist auch das Vermeiden unsinniger Therapieversuche. Dazu gehören jede Form von Strafen oder Drohungen, Flüssigkeitseinschränkungen am Abend oder das Kind nachts aufwecken und auf die Toilette zu setzen.

Die Urotherapie richtet den Fokus auf folgende Faktoren:

  • Informationen: Der behandelnde Arzt oder die Ärztin klärt das Kind und auch die Eltern über die Vorgänge beim nächtlichen Einnässen auf sowie über die möglichen Begleiterscheinungen und Therapiekonzepte. Auch wird davon gesprochen, welchen wichtigen Stellenwert die Motivation und Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit bei der Behandlung einnimmt sowie welche Vor- und Nachteile, Risiken und Nebenwirkungen die Therapieverfahren aufweisen.
  • Anleitung zum Wasserlassen: Hier gibt es Informationen darüber, wie häufig das Kind am Tag zur Toilette gehen sollte, z.B. alle zwei bis vier Stunden. Zum Üben kann eine Digitaluhr zur Erinnerung gestellt werden, damit das Kind sich selbst daran halten kann.
  • Anleitung zum Trinkverhalten: Der Übungsplan beinhaltet auch Informationen zum optimalen Trinkverhalten. Es wird empfohlen, zwei Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr zu trinken. Grundsätzlich sollte das Trinken am Abend aber nicht verboten werden. Über den Tag sollte das Kind je nach Alter und sportlichen Aktivitäten ausreichend trinken. Beliebt ist die sogenannte 7-Becher-Methode, bei der das Kind 7-mal 150 bis 200 ml pro Tag trinkt.
  • Sonnen-Wolken-Kalender: Etwa ein Fünftel der betroffenen Kinder werden innerhalb von vier Wochen trocken, wenn ein sogenannter „Sonnen-Wolken-Kalender“ zum Einsatz kommt. Trockene Nächte bekommen eine Sonne oder einen anderen besonders schönen Sticker und ganz viel Lob, wodurch die Motivation gesteigert wird. Nasse Nächte bekommen einen Wolkensticker, werden aber nicht weiter thematisiert.
  • Physiotherapie im Rahmen der Urotherapie (Biofeedbackmethode): Die ICCS empfiehlt bei Kindern mit Harninkontinenz auch ein Beckenbodentraining mit oder auch ohne Biofeedbackmethode. Dabei lernen Kinder, die gestörten Prozesse beim Wasserlassen zu erfassen und zu beheben. Die bei der Miktion beteiligten Muskelgruppen werden wahrgenommen und koordiniert, um den Harndrang besser kontrollieren zu können.

2. Apparative Verhaltenstherapie (AVT)

Haben die Maßnahmen im Alltag zur Behandlung des Bettnässens nicht geholfen, gibt es die Möglichkeit einer sogenannten apparativen Verhaltenstherapie mithilfe eines Klingelgerätes, an dem ein Feuchtigkeitsfühler angebracht ist. Das Verfahren wird hauptsächlich bei der primären Enuresis nocturna und über zwei bis drei Monate ohne Unterbrechung jede Nacht angewendet.

Die AVT stellt einen relativ hohen Aufwand für das Kind und die Eltern dar, denn bei der Therapie ist eine Extraportion Motivation und Mitarbeit gefragt. Die Erfolgsquote liegt bei dieser Methode bei etwa 70 %.

Für die AVT gibt es spezielle Klingelmatten oder Klingelhosen, die immer ein Signal abgeben, sobald sich das Kind im Schlaf einnässt. Der Klingelalarm soll das Kind aufwecken, damit es lernen und bemerken kann, wann die Blase gefüllt ist und wann es trocken durchschlafen kann. Auch die Eltern sollten durch das Klingeln wach werden und ihr Kind zur Toilette begleiten. Kinder schlafen manchmal allerdings so tief und fest, dass kein Klingelton der Welt sie aufwecken könnte.

Während der AVT wird ein Kalender geführt, der alle wichtigen Informationen zum nächtlichen Einnässen dokumentiert, z.B. wie oft das Kind einnässt und wann es trocken geblieben ist, wann es mit voller Blase eigenständig aufgewacht und zur Toilette gegangen ist. Anhand der Daten können die Fortschritte besser erfasst werden.

Zum Erfolg der AVT trägt einerseits die positive Verstärkung des Kindes in Form von Lob und Freude bei und andererseits auch das bewusste Erleben von ablehnenden, aversiven Elementen durch das ständige Aufstehen in der Nacht, den Wechsel der Wäsche und durch die Toilettengänge.

Stellt sich nach etwa 6 Wochen keine Besserung ein, wird zudem eine psychotherapeutische Behandlung empfohlen. Fehlt es allerdings an Motivation, macht die AVT keinen weiteren Sinn mehr.

Die Therapie gilt dann als erfolgreich, wenn das Kind zwei Wochen trocken geblieben ist. Sie sollte generell nicht länger als vier Monate durchgeführt werden, es sei denn, eine Besserung konnte bereits beobachtet werden. Erleiden Kinder nach erfolgreicher Therapie einen Rückfall, wird empfohlen, die AVT wiederaufzunehmen.

3. Medikamentöse Behandlung

Führen alle bisher genannten Maßnahmen nicht zum erwünschten Therapieerfolg, bleibt als weitere Möglichkeit eine medikamentöse Behandlung. Am häufigsten wird im Rahmen einer oralen Hormontherapie das ADH-Analogon Desmopressin verordnet. Desmopressin ist ein Wirkstoff, der die Urinmenge reduziert.

In 70 % der Fälle treten nach der Einnahme weniger nasse Nächte auf und in 25 % werden die Kinder trocken. Wird das Medikament jedoch wieder abgesetzt, erleiden die meisten Kinder einen Rückfall und die nächtlichen Probleme kehren wieder zurück. Daher sollte Desmopressin nur langsam und strukturiert abgesetzt werden, um den Therapieerfolg zu erhöhen und die Rückfallquote zu reduzieren.

Das schnell wirkende Medikament reduziert außerdem den Leidensdruck bei Kindern während einer Urlaubsreise oder einer Klassenfahrt. Auch das Übernachten bei einem Freund oder einer Freundin wird durch die Einnahme wieder möglich.

Desmopressin sollte etwa eine Stunde vor dem Zubettgehen eingenommen werden. Die Wirkdauer beträgt acht bis zehn Stunden.

Nebenwirkungen treten nur selten auf. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer Wasserintoxikation, wenn während der Einnahme von Desmopressin zusätzlich Wasser getrunken wird. Deshalb dürfen Kinder eine Stunde vor der Einnahme und acht Stunden danach nichts trinken.

Treten Erbrechen, Durchfall, Krämpfe oder Kopfschmerzen auf, sollte die medikamentöse Anwendung unterbrochen werden.

Tipps für den Alltag bei Enuresis

Die Prognose für nächtliches Einnässen ist gut und in vielen Fällen löst sich das Problem mit der Zeit zum Glück von ganz alleine. Nur ein Prozent der betroffenen Kinder mit Enuresis leiden bis ins Erwachsenenalter daran.

Trotzdem ist der Leidensdruck für die Kinder und auch für die Eltern in der Zeit des Bettnässens sehr hoch. Unterstützend zu den Behandlungsmöglichkeiten gibt es ein paar Dinge, die betroffene Familien im Alltag selbst tun können, um das Problem zu lindern:

  • Tagsüber ausreichend trinken, abends nicht so viel trinken (kein Trinkverbot!)
  • Vorm Zubettgehen die Toilette aufsuchen
  • Windeln in der Nacht tragen
  • Wasserdichte Unterlage für die Matratze verwenden
  • Bettzeug nach Bettnässen waschen und Uringeruch beseitigen
  • Selbstbewusstsein aufbauen: Das Kind nach dem Bettnässen aufmuntern und ihm das Gefühl geben, dass es nichts falsch gemacht hat
  • Keine Bestrafung für das Einnässen