Afrikanische Schlafkrankheit: Erreger, Symptome und Behandlung

Pro Stich überträgt die blutsaugende Tsetsefliege mehrere Tausend Krankheitserreger der afrikanischen Schlafkrankheit. Wer also in die ländlichen Tropenregionen Afrikas reisen möchte, sollte unbedingt Maßnahmen ergreifen, dass die infektiöse Fliege gar nicht erst zusticht. Eine Ansteckung mit den Erregern hätte fatale Folgen für unsere Gesundheit. Unbehandelt nimmt die Schlafkrankheit keinen guten Ausgang und verläuft immer tödlich.

Was genau verbirgt sich hinter der afrikanischen Schlafkrankheit? Was sind die Erreger, wie wird die Krankheit übertragen und welche Symptome gehen mit der Tropenerkrankung einher? Wie kannst Du Dich vor einer Ansteckung schützen und welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es, wenn es Dich doch erwischt hat? Hier bekommst Du alle wichtigen Informationen zur afrikanischen Schlafkrankheit.

Was ist die Afrikanische Schlafkrankheit?

Die „Afrikanische Schlafkrankheit“ ist eine seltene Erkrankung und wird von Medizinern auch als „Westafrikanische Schlafkrankheit“ oder „Humane Afrikanische Trypanosomiasis (HAT)“ bezeichnet. Sie wird durch mikroskopisch kleine Parasiten der Art Trypanosoma brucei hervorgerufen und von der infizierten Tsetsefliege (Glossina-Art) übertragen, die nur in Afrika südlich der Sahara vorkommt.

Das Verbreitungsgebiet der Schlafkrankheit befindet sich in ländlichen Regionen der Subsahara in Afrika. Dazu gehören Regionen wie die Zentralafrikanische Republik, die Elfenbeinküste, die Demokratische Republik Kongo, Guinea, Tansania, Uganda, Tschad und Malawi. Von der Erkrankung betroffen sind insbesondere Menschen, die in den Feuchtgebieten und Savannen leben. Etwa 77 Millionen Menschen leben in dem Risikogebiet und sind daher gefährdet.

Häufigkeit der Schlafkrankheit

Obwohl die Schlafkrankheit in der Vergangenheit ein bedeutendes Problem für die öffentliche Gesundheit in Afrika war, ist die Krankheit derzeit relativ gut unter Kontrolle. Die Zahl der jährlichen Krankheitsfälle hat sich über viele Jahre reduziert. Seit 2009 erkrankten weniger als 10.000 Menschen an der Schlafkrankheit und laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sank die Zahl in den Jahren 2017 bis 2018 weiter unter 2000 Fälle. Mehr als 50 Prozent der Fälle wurden von der Demokratischen Republik Kongo gemeldet.

WHO: „Vernachlässigte Krankheit“

Die infektiöse Tropenerkrankung wird von der wissenschaftlichen Forschung etwas stiefmütterlich behandelt. Zumindest fließt in die Erforschung, Prävention, Diagnose und Behandlung der Erkrankung unzureichend Geld, was wohl auch daran liegen mag, dass sie hauptsächlich in ärmeren Ländern dieser Welt auftritt. Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird die afrikanische Schlafkrankheit wie auch Vergiftungen durch Schlangenbisse oder die Infektionskrankheit „Kala Azar“ in die Kategorie „vernachlässigte Krankheiten“ eingestuft.

Afrikanische Trypanosomiasis: Arten der Schlafkrankheit

Es gibt zwei Arten der afrikanischen Trypanosomiasis, die nach der Region Afrikas benannt sind, in der sie auftreten. Zwei Unterarten des Parasiten rufen bei uns Menschen unterschiedliche Krankheitsbilder hervor:

  • Trypanosoma brucei gambiense verursacht eine langsam fortschreitende afrikanische Trypanosomiasis in West- und Zentralafrika.
  • Trypanosoma brucei rhodesiense ist für eine akuter verlaufende afrikanische Schlafkrankheit im östlichen und südlichen Afrika verantwortlich.

Die westafrikanische Form der Trypanosomiasis ist die am meisten verbreitete Schlafkrankheit in Afrika. Beide Formen der Schlafkrankheit werden tagsüber durch den Stich der Tsetsefliege übertragen. Sie bewohnen ländliche Gebiete und leben in den Wäldern und Dickichten der ostafrikanischen Savanne. In Zentral- und Westafrika leben sie in den Wäldern und in der Vegetation entlang von Bächen.

Afrikanische Schlafkrankheit: Ursache, Erreger und Übertragung

Trypanosomen sind einzellige Parasiten (Protozoen) und die Ursache für die afrikanische Schlafkrankheit. Befinden sich die Parasiten erst einmal in unserem Körper, verteilen sie sich über das Blut und vermehren sich dort. Unser Immunsystem kann die fremden Angreifer äußerst schwer erkennen und bekämpfen, denn Parasiten haben die Eigenschaft, ihre Oberfläche ständig zu verändern.

Die beiden Parasiten, Trypanosoma brucei rhodesiense und Trypanosoma brucei gambiense, können durch eine infizierte Tsetsefliege übertragen werden. Tsetsefliegen lieben Wälder, Savannengebiete, eine dichte Vegetation entlang von Flüssen und Wasserlöchern. Die blutsaugenden Fliegen greifen ihre Opfer am Tag an. Sie stechen auch durch die Kleidung. Pro Stich durch eine männliche oder weibliche Tsetsefliege können Tausende Krankheitserreger übertragen werden.

Das Risiko für eine Infektion steigt, je länger Jäger, Dorfbewohner oder Reisende sich in den Gebieten aufhalten und je mehr sie gestochen werden. Nicht jede Tsetsefliege ist mit den Parasiten infiziert. Tatsächlich ist es eher ein geringer Anteil. Dennoch sollte man das Risiko nicht ignorieren, denn unter vielen Stichen kann dann doch mal eine Infektion dabei gewesen sein. Hauptwirt des Parasiten für die westafrikanische Schlafkrankheit sind Menschen, selten auch Haustiere, z. B. Schweinen, Hunden oder Ziegen. Hauptwirt des Parasiten für die ostafrikanische Schlafkrankheit sind Wild- und Haustiere, selten Menschen.

Übertragungswege der Schlafkrankheit

Die meisten Infektionen werden durch die Tsetsefliege übertragen, aber es sind andere Übertragungswege möglich. So kann gelegentlich eine schwangere Frau die Infektion auf ihr ungeborenes Kind übertragen. Theoretisch kann die Infektion auch durch Bluttransfusionen, sexuellen Kontakt, Organtransplantationen und versehentliche Laborexpositionen übertragen werden, aber solche Fälle sind selten.

Vom Stich zur Infektion

Der Stich der Tsetsefliege wird als sehr schmerzhaft beschrieben und erfolgt auch durch die Kleidung hindurch. Nur ein Trypanosom reicht als Überträger der schweren Infektionskrankheit aus. Beim Biss in die Haut sondern die Fliegen infizierten Speichel ab. Die Trypanosomen können so über den Stichkanal in unseren Körper gelangen und sich über das Lymphsystem und die Blutbahn im Organismus ausbreiten und sich in ihm vermehren. Im Anschluss wandern die Protozoen in unsere Organe, Gewebe und in unser Gehirn.

Afrikanische Schlafkrankheit: Symptome

Die Erkrankung zeigt sich hauptsächlich in unserem Lymph- und Nervensystem. Mit welchen Symptomen haben Patienten zu kämpfen? Wie schnell eine Infektion voranschreitet, hängt immer auch davon ab, ob es sich um eine ost- oder westafrikanische Trypanosomiasis handelt.

Bei der ostafrikanischen Trypanosomiasis treten die Symptome normalerweise innerhalb von ein bis drei Wochen nach einem infektiösen Biss auf. Bei der westafrikanischen Trypanosomiasis können die Symptome in den ersten Monaten der Infektion nur minimal oder intermittierend sein. Sie werden meist erst innerhalb von ein paar Monate bis zu einem Jahr nach einem infizierten Tsetsefliegen-Biss sichtbar.

Es werden zwei Stadien der afrikanischen Schlafkrankheit unterschieden, die je nach Stadium und Befall der Körperregion verschiedene Symptome anzeigen. In einer ersten Phase befinden sich die Parasiten im Blut- und Lymphsystem, in der zweiten Phase sind die Parasiten dann in das zentrale Nervensystem eingedrungen.

Häufige Symptome der Schlafkrankheit sind Fieber, extreme Müdigkeit, starke Kopfschmerzen, Reizbarkeit, geschwollene Lymphknoten, Muskel- und Gelenkschmerzen. Einige Patienten entwickeln zudem einen Hautausschlag.

Wie bereits erwähnt, verschlimmert sich die afrikanische Trypanosomiasis fortschreitend im Krankheitsverlauf und endet innerhalb von Monaten bis Jahren tödlich, wenn keine Behandlung erfolgt.

Stadium I (hämolymphatische Phase): Symptome Blut- und Lymphsystem

Das erste Stadium der Symptome bezeichnen Mediziner auch als hämolypmphatische Phase, denn zunächst zeigt sich die schwere Erkrankung in unserem Blut- und Lymphsystem. Zu Beginn treten neben einer schmerzhaften Einstichstelle an der Haut (Trypanosomenschanker) nach etwa ein bis drei Wochen eher unspezifische erste Symptome auf, die teilweise auch einer Grippe sehr ähnlich sind.

Dazu gehören Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit und Schwäche sowie Schwellungen der Lymphknoten. Die Lymphknotenschwellung ist oft an den hinteren Halslymphknoten oder im Nacken lokalisiert, was auch als das sogenannte Winterbottom-Zeichen bezeichnet wird. Das Fieber klingt mit der Zeit wieder ab und tritt dann im weiteren Krankheitsverlauf wieder auf.

Bei manchen Patienten können vorübergehend Schwellungen im Gesicht, Hautausschläge (Exantheme) und eine Anämie, Thrombozytopenie (Mangel an Thrombozyten (Blutplättchen) im Blut) und ein erhöhter Immunglobulin-Spiegel auftreten.

Stadium II: Symptome Gehirn und Rückenmark

Im zweiten Stadium, der sogenannten meningoenzephalitischen Phase, sind die Parasiten in unser zentrales Nervensystem eingedrungen und sorgen für schwere neurologische Beschwerden. Die zweite Phase tritt bei der westafrikanischen Form der Erkrankung nach etwa vier bis sechs Monaten ein, bei der ostafrikanischen Schlafkrankheit erscheinen die Symptome schon nach wenigen Wochen.

Wenn die Erreger der Schlafkrankheit das zentrale Nervensystem angreifen, können sich Symptome wie eine fortschreitende (progressive) Verwirrung, Persönlichkeitsveränderungen, schwere Schlafstörungen, Koordinationsstörungen, Krampfanfälle, Apathie, Gewichtsverlust und Erschöpfung zeigen. Zudem können auch sogenannte extrapyramidale Störungen auftreten, die an die neurologische Erkrankung Morbus Parkinson erinnern. Das extrapyramidalmotorische Syndrom (EPMS) ist gekennzeichnet durch Bewegungsstörungen, entweder zu wenig automatische Bewegungen oder zu viele unwillkürliche Bewegungen.

Der Befall der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit zeigt sich auch darin, dass Betroffene unter dauerhaften (chronischen) Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten leiden, benommen werden, Gleichgewichtsstörungen und Gehprobleme bekommen. Die Benommenheit kann so stark ausgeprägt sein, dass Patienten wie bei der Schlafkrankheit Narkolepsie mitten am Tag oder bei einer Tätigkeit einschlafen. Damit leiden sie irgendwann nicht nur unter einem gestörten Nachtschlaf, sondern auch unter einer Schlaf-Wach-Störung, weil sich der Schlaf-Wach-Rhythmus im weiteren Verlauf umkehrt.

Endstadium der Schlafkrankheit

Auf die Krankheitsstadien I und II folgt dann das Endstadium, wenn keine Therapie mit Medikamenten erfolgt und die Trypanosomen ungehindert das Gehirn schädigen können. In der letzten Phase der schweren Schlafkrankheit fallen Betroffene in einen dauerhaften Dämmerzustand (Koma). Der Tod tritt innerhalb von Monaten (ostafrikanische Schlafkrankheit) oder innerhalb von zwei bis drei Jahren (westafrikanische Schlafkrankheit) nach Einsetzen der ersten Symptome ein. Unterernährung und andere Infektionen können dazu beitragen, den Sterbeprozess zu beschleunigen.

Afrikanische Schlafkrankheit: Diagnose

Solltest Du vermuten, bei Deiner Reise nach Afrika von einer Tsetsefliege gestochen worden zu sein und Dich womöglich mit Trypanosomen infiziert zu haben, wende Dich sofort an einen Arzt. Anhand verschiedener Tests können Ärzte überprüfen, ob sich die Parasiten im Blut befinden.

Die Diagnose der Trypanosomiasis stellen Ärzte durch den mehrfachen Labornachweis der Parasiten im menschlichen Körper. Für die Analyse entnehmen sie Materialproben durch:

  • Bluttests
  • Probe aus der Flüssigkeit eines Lymphknotens
  • Wunden an der Einstichstelle (Hautbiopsie des Schankers)
  • Lumbalpunktion zur Gewinnung des Liquors (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit)

Das erste Stadium der Erkrankung ist gekennzeichnet durch fünf oder weniger Leukozyten (weiße Blutkörperchen) pro Mikroliter ohne Trypomastigoten (Entwicklungsstufe des Parasiten). Patienten mit mehr als fünf Leukozyten pro Mikroliter oder Trypomastigoten befinden sich im zweiten Stadium der Schlafkrankheit.

Eine frühzeitige Diagnose gestaltet sich als schwierig, da Anzeichen und Symptome im ersten Stadium unspezifisch und diagnostische Maßnahmen noch unempfindlich darauf reagieren. Die Diagnose erfordert aber die Bestätigung des Vorhandenseins des Parasiten in jeder Körperflüssigkeit. Symptomatische Patienten haben dann typischerweise nachweisbare Parasiten im Blut, in der Schankerflüssigkeit oder Knochenmarkflüssigkeit. Ein mikroskopischer Nachweis des Parasiten ist dann die definitive Diagnose.

Afrikanische Schlafkrankheit: Therapie

Betroffene, bei denen die afrikanische Trypanosomiasis diagnostiziert wurde, sollten mit einem spezifischen Medikament behandelt werden. Welche Medikamente verabreicht werden, richtet sich nach dem Behandlungsverlauf, nach der Art der Infektion (T. b. gambiense oder T. b. rhodesiense) und nach dem Krankheitsstadium, d. h. ob das zentrale Nervensystem bereits beteiligt ist oder nicht.

Pentamidin heißt das empfohlene Medikament für das erste Stadium der T. b. Gambiense-Infektion und ist in den USA erhältlich. Andere Medikamente, die zur oralen Therapie der afrikanischen Trypanosomiasis eingesetzt werden, sind Suramin, Melarsoprol, Eflornithin und Nifurtimox in Kombination mit Eflornithin.

Trotz medikamentöser Behandlung gibt es keine Sicherheit für eine Heilung. Nach der Therapie werden Patienten daher über 24 Monate lang engmaschig beobachtet, um mögliche Rückfälle schnell feststellen zu können. Treten wieder Symptome auf, müssen alle Diagnoseverfahren für den Nachweis der Parasiten erneut durchgeführt werden.

Die medizinische Behandlung der afrikanischen Trypanosomiasis sollte so schnell wie möglich beginnen. Dafür wird in der Regel ein Krankenhausaufenthalt notwendig.

Im tropischen Afrika steht meistens nur das Medikament Melarsoprol gegen die Schlafkrankheit zur Verfügung. Die Arznei geht jedoch mit teilweise lebensbedrohlichen Nebenwirkungen einher. Kommt es zum Einsatz, werden zudem kortisonhaltige Präparate (Kortikosteroide) angewendet, die das Risiko für das Auftreten von schweren Nebenwirkungen senken sollen.

Afrikanische Schlafkrankheit: Prophylaxe

Es gibt weder einen Impfstoff noch ein empfohlenes Medikament zur Vorbeugung der afrikanischen Trypanosomiasis. Selbst wenn Du die Krankheit einmal hattest, kannst Du Dich immer wieder neu anstecken. Präventive Maßnahmen zielen daher darauf ab, den Kontakt mit Tsetsefliegen möglichst zu minimieren. Bewohner in endemischen Regionen kennen normalerweise die Gebiete, die stark befallen sind. Sie können Dir möglicherweise Ratschläge zu besonders gefährdeten Orten geben, die Du auf einer Reise besser meiden solltest.

Reisen ins tropische Afrika: Prophylaxemaßnahmen

Trage Schutzkleidung, einschließlich langärmeliger Hemden und Hosen. Die Tsetsefliege kann durch dünne Stoffe beißen, daher sollte die Kleidung aus mittelschwerem Material bestehen.

  • Trage neutrale Kleidung. Die Tsetsefliege wird von hellen Farben und sehr dunklen Farben angezogen.
  • Untersuche die Fahrzeuge vor dem Betreten auf Tsetsefliegen. Die Fliegen werden von sich bewegenden Fahrzeugen angezogen.
  • Vermeide Büsche. Die Tsetsefliege ist während der heißesten Zeit des Tages weniger aktiv. Sie ruhen in Büschen, beißen aber, wenn sie gestört werden.
  • Verwende Insektenschutzmittel. Obwohl sich Insektenschutzmittel nicht als wirksam erwiesen haben, um Tsetsefliegen zu vertreiben, sind sie wirksam, um andere Insekten davon abzuhalten, zu beißen und Krankheiten zu verursachen.

Die Weltgesundheitsorganisation hat sich die nachhaltige Beseitigung der westafrikanischen Trypanosomiasis bis 2030 zum Ziel gesetzt. Die Strategien zur Eliminierung der westafrikanischen Trypanosomiasis beruhen auf drei Strategien:

  1. Aktive und passive Fallfindung.
  2. Behandlung der bestätigten Fälle.
  3. Reduzierung der Tsetse-Population.